Miteinander und voneinander lernen

Eltern - Lehrkräfte - Schüler aus über 25 Nationen

An der Schiller-Volksschule sind alle Klassen geprägt von Internationalität, was interessanterweise auch für unserer Kolleginnen und Kollegen gilt! Die kulturelle Vielfalt im Kollegium und in der Schülerschaft bereichert schon immer unsere Gemeinschaft.

In unseren Klassen sitzen viele Mädchen und Buben mit Migrationshintergrund. Ihre Eltern, ihre Großeltern oder auch sie selbst sind aus unterschiedlichen Ländern nach Deutschland gekommen.
Die Schillerschule besuchen Kinder und Jugendliche aus sage und schreibe 26 verschiedenen Nationen. Im Unterricht und in vielen Arbeitsgemeinschaften bringen alle ihre Fähigkeiten und Interessen ein.
So spiegeln z.B. die Basketball- und Fußballmannschaften, die unsere Schule seit Jahren erfolgreich vertreten, die Vielfalt der Nationen wider. Auch bei unseren Tanzgruppen, die anlässlich von Schulfesten oder ähnlichen Veranstaltungen auftreten, fließen kulturelle Aspekte aus verschiedenen Herkunftsländern ein. In Tanzworkshops - wie dem aktuellen mit Fabio Esposito - bewegen sich alle Schülerinnen und Schüler gemeinsam zu internationaler Musik.

Auch einige Lehrkräfte sind zweisprachig aufgewachsen bzw. weilten länger im Ausland oder haben dort familiäre Bindungen. Interesse und Freude an der Interkulturalität werden im intensiven Besuch von einschlägigen Fortbildungen und Veranstaltungen deutlich. Lehrerinnen und Lehrer engagieren sich z.B. bei der Entwicklung von Arbeitsmaterialien für Deutsch als Zweitsprache, informieren sich über Sitten und Bräuche in unterschiedlichen Kulturen und Religionen oder entwickeln ihre methodisch-didaktische Kompetenz weiter. Neuerungen werden gerne aufgegriffen - immer mit dem Blick auf die eigene Schülerschaft und deren Bedürfnisse. Diese sprachliche und kulturelle Vielfalt im Kollegium und bei den Schülern hat schon immer die Schulgemeinschaft bereichert und ermöglicht allen miteinander und voneinander zu lernen.

Viele unserer Schülerinnen und Schüler wachsen aufgrund ihrer Herkunft zweisprachig auf. Zu Hause wird türkisch, italienisch, russisch oder vietnamesisch - um nur einige Beispiele zu nennen - gesprochen, im Unterricht ist jedoch das Deutsche die verbindende Sprache. Es ist ein Vorteil. zwei Sprachen zu sprechen, aber auch nicht so einfach, beide gleich gut zu beherrschen. Daher bedarf es - besonders zu Beginn der Schulzeit, aber auch in etwas geringerem Umfang in den folgenden Schuljahren - veränderter Lernformen und Lernangebote, um den Kindern eine Weiterentwicklung ihrer Sprachkompetenz im Deutschen zu ermöglichen.
Darauf legen wir an der Schillerschule schon immer Wert und in den letzten drei Jahren konnten die bisherigen Angebote für die Sprachförderung noch durch zusätzliche Maßnahmen ausgebaut werden.

Diese Maßnahmen beginnen seit einigen Jahren schon im letzten Kindergartenjahr - also vor der Einschulung.
Zweimal in der Woche kommen da bereits die ganz Kleinen in die Schule - zum Vorkurs.
Stolz und eifrig marschieren die Vorschulkinder, begleitet von ihren Müttern oder einer Erzieherin, ins Schulhaus - zwei Grundschullehrkräfte warten schon. Jetzt heißt es in spielerischer Weise Wörter und Ausdrucksformen zu lernen bzw. zu vertiefen. Fröhlich singen, erzählen und malen die Kleinen. Nach 45 Minuten geht es zurück in den Kindergarten - .bis zum nächsten Mal!

Zunächst wurde mit einem Kurs begonnen, aber aufgrund der guten Erfolge und positiven Erfahrungen sind es im laufenden Schuljahr bereits zwei Kurse!
Ziel ist es, den Kindern von Anfang an einen guten Start in die Schule zu ermöglichen und sie vor Misserfolgserlebnissen, die auf Defiziten in der deutschen Sprache basieren, zu bewahren. Für Lehrkräfte, Eltern und Erzieherinnen ist es immer wieder beeindruckend, wie gut sich die Kinder während eines Jahres sprachlich entwickeln. Im Vordergrund stehen dabei die Freude an der deutschen Sprache und die Erweiterung der Fähigkeit, sich auszudrücken und einander zu verstehen.
In Zusammenarbeit und Absprache mit den Kindergärten im Schulsprengel werden Inhalte, die für den Schulanfang wichtig sind, gelernt - so geht es z.B. um Farben, Zahlen oder die Schulsachen.

Jedes Jahr im April ist es dann endlich soweit: Schuleinschreibung! Für diesen wichtigen Tag nehmen wir uns viel Zeit und versuchen, jedes einzelne Kind genau kennen zu lernen. Um Schulanfängern mit Migrationshintergrund gezielte Unterstützungsangebote machen zu können, werden diese Kinder seit zwei Jahren nicht nur zum Unterrichtsspiel. sondern noch zusätzlich zum "Screening" eingeladen. Bei diesem geht es um die Feststellung des Sprachstandes jedes einzelnen Kindes. In der großen Gruppe während des Unterrichtspiels trauen sich manche noch nicht recht, sich in der deutschen Sprache zu äußern.
Das Screening besteht aus verschiedenen Stationen, die die zukünftigen Erstklässler gemeinsam mit einem Begleitkind aus der 3. oder 4. Klasse durchlaufen. Es wird z.B. telefoniert, eingekauft, ein Bilderbuch angeschaut oder Memory gespielt. Erfahrene Grundschullehrkräfte beobachten, wie sich die Kinder in der deutschen Sprache ausdrücken. Aufgrund dieser Beobachtungen planen wir an der Schule dann die weiteren Maßnahmen, um den Kindern einen noch besseren Start in die Schulzeit zu ermöglichen.

Eine sehr erfolgreiche und geschätzte Maßnahme an unserer Schule für Kinder mit Migrationshintergund sind seit dem Schuljahr 2006/07 die Deutschlerngruppen der 1. und 2. Klassen. In einer kleinen Gruppe lernen die Erst- und Zweitklasskinder mit einer zusätzlichen Lehrkraft Lesen, Schreiben und Rechnen. Dabei wird besonders Augenmerk auf die Weiterentwicklung der Kenntnisse in der deutschen Sprache gelegt. Aufgrund der geringen Schülerzahl haben die Kinder öfter die Möglichkeit, sich sprachlich zu äußern und damit Fortschritte zu erzielen; gleichzeitig fällt es ihnen leichter, dem Unterricht zu folgen.
Musik, Kunst, Sport und Werken/Textiles Gestalten
findet immer im Klassenverband statt. Auch Feste und Feiern planen und gestalten immer alle Kinder der Klasse zusammen.
Aber auch in den Folgejahren werden Schülerinnen und Schüler weiterhin "in Deutsch" unterstützt. Seit etlichen Schuljahren schon besuchen viele Schülerinnen und Schüler von der 1. bis zur 9. Klasse Deutschförderkurse. Auch sie erhalten in kleinen Gruppen - zusätzlich zum Klassenunterricht - die Möglichkeit Inhalte sprachlich vorzubereiten bzw. zu wiederholen oder gezielt Schwächen aufzuarbeiten.

Im Sinne einer ganzheitlichen Bildung sowie aufgrund der Tatsache, dass Religion ein Teil der Persönlichkeits- und Identitätsfindung ist, besteht bei uns seit Jahren die Möglichkeit, je nach Religionszugehörigkeit den entsprechenden Unterricht zu wählen. So können z.B. islamische Schülerinnen und Schüler den Unterricht in "Islamisch religiöser Unterweisung" besuchen.
Diesen Unterricht erteilt von der 1. bis zur 7. Klasse Herr Aktürk, ein Lehrer, der selbst islamischen Glaubens ist und sich intensiv mit der Thematik auseinandersetzt. Bisher wird das Fach in türkischer Sprache erteilt, längerfristig ist aber geplant, dass in Deutsch unterrichtet wird, um allen muslimischen Schülerinnen und Schülern - unabhängig von der der Herkunftssprache - die Teilnahme zu ermöglichen.

Neben dem Unterricht in katholischer bzw. evangelischer Religionslehre und in Ethik findet seit langer Zeit auch syrisch-orthodoxer Religionsunterricht statt. Herr Bulut, syrisch-orthodoxer Geistlicher, erteilt als Nachfolger von Herrn Ülger seit zwei Jahren den entsprechenden Religionsunterricht für Kinder von der 1. bis zur 9. Klasse.

Oekumene

Obwohl es nicht oft zu gemeinsamen interreligiösen Veranstaltungen kommt, können diese doch für alle Beteiligten zu einem nachhaltigen Erlebnis werden. So waren im Februar 2005 nahezu 600 Schüler aller Jahrgangsstufen und aller Glaubensrichtungen im Gedenken an die Opfer des Seebebens in Indonesien in der Kirche "Unsere Liebe Frau" vereint. Mitgefühl und Betroffenheit, aber auch gemeinsames Singen und die Anwesenheit der geistlichen Vertreter der verschiedenen Religionsgemeinschaften schufen ein Gefühl der Verbundenheit und ermöglichten unseren Schülerinnen und Schülern ein Gemeinschaftserlebnis, das sie in ganz besonderer Weise beeindruckt hat.

Zur Schulfamilie gehören neben den Lehrkräften und den Schülern natürlich auch Eltern. Es ist erfreulich, dass sich mittlerweile auch Eltern von Kindern mit Migrationshintergrund im Elternbeirat engagieren. Auf die tatkräftige Unterstützung zu verschiedensten Anlässen ist darüber hinaus immer schon Verlass gewesen.

"Mama lernt Deutsch" ist in den letzten Jahren zu einem Schlagwort geworden. Es geht darum, dass Frauen, solange ihre Kinder im Unterricht oder Kindergarten sind, in Räumen der Schule Deutsch lernen. Während an anderen Schulen die Kurse eher "einzuschlafen" drohen, erfreut sich unserer regen Zuspruchs. Unter der bewährten Schirmherrschaft der Volkshochschule absolvieren die Frauen zweimal in der Woche ein vielseitiges Lernprogramm. In Zukunft wird auch noch eine Mitarbeiterin der Caritas einmal im Monat den Frauen für Fragen und Unterstützung zur Verfügung stehen. Auch Frauen aus den Reihen der Stadtteilmütter, die bisher meist nur mit den Kindergärten zusammenarbeiten, unterstützen die Schillerschule nun verstärkt bei Veranstaltungen. So präsentierten z.B. beim Informationsabend für die Eltern der Schulanfänger zwei Mütter das Konzept der Deutschlerngruppen und berichteten begeistert von den persönlichen Erfahrungen mit ihren Kindern.

E. Wieland

   
   
   
   
   
   
   
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