nur dass "M" für "Mittler Reife" steht und dass in die neu geschaffenen M-Klassen Schülerinnen und Schüler aufgenommen werden können, die auf Grund ihrer Leistungen sowie ihres Lern- und Arbeitsverhaltens erwarten lassen, dass sie den mittleren Schulabschluss zu erwerben in der Lage sind.

Im Gegensatz zu Realschule und Gymnasium können die Schülerinnen und Schüler hier in ihrer vertrauten Schulart bleiben, was sich in vielfacher Hinsicht als positiv erweist. So bleibt zumindest in den unteren Jahrgangsstufen das Klasslehrerprinzip weitgehend erhalten, was sicher unseren Schülerinnen und Schülern eher entgegenkommt als das Fachlehrersystem an anderen weiterführenden Schulen. Außerdem bildet neben den wichtigen Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch das Lernfeld Arbeit - Wirtschaft - Technik einen wesentlichen Schwerpunkt des Unterrichts, wobei deutlich wird, dass im M-Zug - wie in der Hauptschule überhaupt - die gezielte Vorbereitung auf die Arbeits- und Wirtschaftswelt eine zentrale Rolle spielt. Dazu trägt das theoretische Fach Arbeitslehre - heute AWT - ebenso bei wie die arbeitspraktischen Fächer GTB (gewerblich-technischer Bereich), KTB (kommunikationstechnischer Bereich) und HSB (hauswirtschaftlich-sozialer Bereich). Dazu kommen selbstverständlich die zahlreichen in den Unterricht eingebundenen oder eng mit dem Unterricht verbundenen Möglichkeiten, die Welt der Berufe praktisch zu erkunden, z. B. durch gezielt vorbereitete Betriebserkundungen oder durch intensive Betriebspraktika.

Diese verstärkte Praxis- und Berufsorientierung gilt auch für unsere "normalen" Hauptschüler, nicht aber das erheblich erhöhte Anforderungsniveau, mit dem unsere M-Schüler mitunter Probleme bekommen können. Da befinden sie sich allerdings in guter Gesellschaft mit manchen Realschülern oder Gymnasiasten.

Die bisherigen Erfahrungen mit dem Mittlere - Reife -Zug zeigen, dass sich unsere M-Schüler den Herausforderungen mit Engagement stellen, wenn auch nicht jeder bis zur Abschlussprüfung durchhält, besonders wenn Konzentration, Einsatzfreude und Ausdauer Schwankungen unterworfen sind. Unsere Lehrkräfte haben es aber in jedem Fall mit motivierten und interessierten Schülern zu tun, von deren Benehmen und gepflegtem Umgangston übrigens die ganze Schulgemeinschaft profitiert. Und dass sie nicht nur bei Leistungserhebungen und Prüfungen insgesamt zu erfreulichen Leistungen fähig sind, haben unsere M-Schüler in den vergangenen neun Jahren schon in vielfältiger Form bewiesen.

Z. B. standen Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen vor einigen Jahren an vorderster Front, als es darum ging, an etlichen Wochenenden unserem Schulhaus neuen Glanz zu verleihen und frische Farbe in Klasszimmer und Flure zu bringen - in die Flure übrigens, in denen regelmäßig hochkarätige Ausstellungen zu bestaunen sind, wenn vor allem die höheren Jahrgänge sich wieder an ein anspruchsvolles Projekt machen - ganz gleich, ob es dabei um Bert Brecht, Schiller, Mozart oder die Entwicklung des Verkehrswesens geht.

An einen Jahrgang sei erinnert, der in beeindruckender Weise als krönenden Abschluss des Zeitungsprojekts "Zisch" seine eigene "Schiller-Times" publizierte. In den anspruchsvollen Beiträgen musste der Vergleich mit manch renommiertem Blatt nicht gescheut werden, wurde dabei doch in Nachricht und Meinung ein großer Bogen von der Kommunalpolitik über Sport, Wirtschaft und Kultur bis hin zu brandaktuellen und brisanten außenpolitischen Themen auf hohem Niveau geschlagen.

Im Schuljahr 2006/2007 hat einer unserer Zehntklässler dann für ganz besonderes Aufsehen gesorgt: Große Beachtung - auch in den Medien - fand die Wahl eines Mitglieds der SMV der Schiller-VS zum ersten Stadtschülersprecher aller Hauptschulen in Augsburg. Nicht zuletzt ausschlaggebend für die Wahl in dieses ehrenvolle Amt dürfte der beispielhafte Einsatz und das bedingungslose Engagement unserer Schülerinnen und Schüler - und hier besonders der Schülersprecher - für die Fortführung der Schulsozialarbeit im Jahre 2006 gewesen sein, als die Stelle unserer Schulsozialpädagogin lange Zeit erheblich gefährdet war.

Vom zweifellos vorhandenen Esprit unserer M-Schüler zeugen pfiffige Abschlusszeitungen ebenso wie denkwürdige Reden anlässlich der Verabschiedung am Ende der erfolgreich bestandenen M-Zeit an der Schiller-Volksschule. Aus einer Rede aus dem Jahre 2004 sei hier zitiert:

"Es war eine schöne Zeit mit vielen Tiefen und Höhen, Misserfolgen und Erfolgen, schwierigen und schönen Tagen, verschiedenen Hindernissen, aber vor allem mit vielen neuen Erfahrungen und Erkenntnissen. Mit allen Mitteln versuchte man uns verschiedenes Wissen beizubringen. Aber die Bedeutung für das spätere Leben dieser sehr vielfältigen Informationen ließe sich sicherlich streiten - ob man unbedingt darüber im Bilde sein muss, welche Lebewesen in einem Schulteich leben oder ob es wirklich notwendig ist, dass einer weiß, wie er die Wahrscheinlichkeit von sechs Richtigen im Lotto ausrechnen und im Englischen das Gerundium bilden kann, sei mal dahingestellt. "

Dass unsere Lehrkräfte aber alles dafür tun, um unseren Schülern den Erwerb der mittleren Reife zu ermöglichen, wenn sie auch selbst ernsthaftes Bemühen zeigen, erkennen diese sehr wohl:

"Das tägliche Aufstehen in der Früh, der tägliche Gang in die Schule und das tägliche stundenlange Drücken der Schulbank haben sich gelohnt. Allen Schülerinnen und Schülern war es möglich, die 10. Klasse erfolgreich abzuschließen. Zu diesem großartigen Ergebnis haben ohne Zweifel auch die Lehrer und Eltern beigetragen."

Und nach dem erfolgreichen Abschluss der 10. Klasse stehen ja dann viele Wege offen, von denen einer direkt ins Berufsleben führt, das für M-Absolventen viele attraktive Angebote bereithält. Die Palette reicht dabei vom Bankkaufmann über den Kommunikationselektroniker und den Optiker bis zur Rechtsanwaltsgehilfin und zur Zahntechnikerin. Andere wollen, wie es in der genannten Abschlussrede heißt, "dem Schulalltag weiterhin erhalten bleiben" und streben über die Fachoberschule zu Abitur und Studium - und bei vielen klappt es.

So freuen wir uns jedes Jahr, wenn wir zum Informationsabend für Eltern zukünftiger M-Schüler leibhaftige Beweise erfolgreicher M-Karrieren präsentieren dürfen - die anschaulichen Berichte ehemaliger Schüler, die mittlerweile z.B. ein Studium im Bereich Informatik oder Internationales Management begonnen oder ihre Ausbildung z.B. zum Sozialversicherungsangestellten bereits erfolgreich abgeschlossen haben, beweisen Jahr für Jahr, welche Möglichkeiten der Mittlere Abschluss an der Hauptschule eröffnet. Dass einige renommierte Lechhauser Betriebe regelmäßig ganz gezielt nach M-Absolventen der Schiller-Volksschule nachfragen, sei hier nur am Rande erwähnt.

Und so dürfen wir an dieser Stelle wieder einmal darauf hinweisen, dass der M-Zug an der Hauptschule vielversprechende Perspektiven eröffnet - Perspektiven vor allem für diejenigen Schülerinnen und Schüler, die - aus welchen Gründen auch immer - den Sprung auf die weiterführende Schule bereits nach der vierten Klasse noch nicht schaffen. Für manche kommt diese Weichenstellung ganz einfach zu früh - und da ist es gut zu wissen, dass "der Zug noch lange nicht abgefahren ist", wenn ab der fünften Jahrgangsstufe zunächst der Besuch der Hauptschule ansteht, die ja auch ihrerseits keineswegs eine Sackgasse ist, wie fälschlicherweise von vielen Seiten immer wieder behauptet wird. Vor allem unsere M-Schüler- die aktuellen wie die ehemaligen - wissen es besser - am besten, Sie fragen sie einfach!

G. Breunig

   
   
   
   
   
   
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