Weltumspannend LogoWeltumspannendes Miteinander

Als sich unsere Schule im Schuljahr 2000/2001 ganz bewusst entschloss, sich dem wichtigen Ziel eines "respektvollen und verantwortungsbewussten Miteinander" zu verschreiben, stand dabei im Vordergrund die Betonung des friedlichen Miteinander vor allem unter den Schülern und Schülerinnen. Gleichwohl umfasst diese Idee aber auch die Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule bzw. die bewusste Pflege des engen Zusammenwirkens zwischen Schule und Wirtschaft, um nur die wichtigsten Aspekte zu nennen.

SkulpturDass der Miteinander-Gedanke seit vielen Jahren aber auch auf einem ganz anderen Gebiet Tradition hat, wird vielen Mitgliedern unserer Schulfamilie vor allem jedes Jahr zu Beginn der Adventszeit bewusst, wenn alle Klassen wieder eingeladen sind, sich an besonderen Aktionen zu beteiligen, die Kindern in der sog. Dritten Welt zugutekommen. Waren es in den siebziger Jahren noch Einzelaktionen, die von engagierten Kolleginnen und Kollegen zusammen mit ihren nicht weniger engagierten Klassen in unregelmäßgen Abständen zu wohltätigen Zwecken gestartet wurden, begann diese besondere Miteinander-Idee zu Beginn der Achtzigerjahre zu einem festen Bestandteil vor allem des adventlichen Schullebens zu werden, als mehrere Jahre ein Weihnachtsbazar, zeitweise auch verbunden mit einer Tombola, für notleidende Kinder in Afrika immer ein besonderes Highlight in der Vorweihnachtszeit darstellte.

Der Kreis der "Adressaten" wurde bald größer: 1984 nahmen wir durch die Vermittlung von Pater Matthäus, der viele Jahre als katholischer Priester in verschiedenen Pfarreien Augsburgs wirkte, Kontakt mit einem Waisenhaus in seiner indischen Heimat auf, woraufhin viele Jahre ein Teil des Erlöses unserer Aktionen nach Nagavally im Shimoga District ging, wo Hilfe dringend benötigt wurde, wovon die Briefe, die uns aus Indien regelmäßig erreichten, deutlich Zeugnis gaben.

Text 1 Kindergruppe

Diese Hilfe konnte nun Jahr für Jahr zuverlässig fließen, da sich nahezu alle Klassen in der Vorweihnachtszeit mächtig ins Zeug legten, um durch Verkaufs-, Spenden- und Sammelaktionen ihren Teil dazu beizutragen. Und der Dank blieb nicht aus, wie aus einem Brief aus dem Jahr 2000 zu entnehmen ist:

Kindergruppe Text 2

Im Übrigen erfuhren unsere Schülerinnen und Schüler beim Lesen dieser Briefe immer wieder ein ganz besonderes Erfolgserlebnis, konnten sie dabei doch feststellen, dass der Englischunterricht nicht völlig spurlos an ihnen vorbeigegangen war!

SkulpturenEbenfalls schon seit Mitte der Achtzigerjahre gehört eine Missionsstation in Ndanda in Tansania zu den Adressaten unserer alljährlichen Aktionen. Dort wirkte Pater Norbert Mühlbauer, hervorgegangen aus der Pfarrgemeinde "Unsere Liebe Frau", im Auftrag des Klosters St. Ottilien jahrzehntelang überaus segensreich, bis er bei einem Heimaturlaub im Sommer 1992 bei einem tragischen Verkehrsunfall zusammen mit drei Schwestern ums Leben kam. Kurz zuvor hatte er noch zum ersten und einzigen Mal unsere Schule besucht und ihr für die jahrelange Hilfe ein großartiges Geschenk im Form einer afrikanischen Musikgruppe, aus Ebenholz geschnitzt, überreicht.
Auch nach Pater Norberts tragischem Tod flossen unsere Hilfsgelder weiter, seine Arbeit in der Missionsstation von Ndanda wird seither von Schwester Inviolata, einer Eingeborenen aus Tansania, weitergeführt.

Als Frau Christl Huber nach einem vierjährigen Aufenthalt als Entwicklungshelferin in Kolumbien nach Deutschland zurückgekehrt und als Religionslehrerin an unsere Schule versetzt worden war, erfuhren wir vom Verein für Entwicklungshilfe in Lateinamerika, den wir seither ebenso unterstützen. Gingen die Erlöse unserer Aktionen zunächst nach Kolumbien, unterstützen wir Frau Huber seit einigen Jahren bei ihrer Gemeindearbeit in Argentinien, und zwar in Moreno, einem Elendsviertel von Buenos Aires, wo sie nun bereits auch schon wieder seit fast sechs Jahren wirkt. Über ihre dortige Arbeit sind wir stets bestens informiert durch ihre regelmäßigen Briefe in die Heimat. Ein besonderes Ereignis aber war es, als sie unseren Schülerinnen und Schülern kurz vor Weihnachten 2003 bei einem Kurzurlaub in der Heimat aus "erster Hand" mit einem eindrucksvollen Diavortrag über ihr segensreiches Wirken berichten konnte. Die schwierige Lebenssituation dort, die auch viele Jugendliche betrifft, wurde in ihren Aussagen besonders deutlich. Hier einige Beispiele:

... Ganz schlimm ist die Perspektivlosigkeit der Jugendlichen, wenn sie aus der Schule kommen, auf sie wartet nichts, keine Lehrstelle, geschweige denn Arbeit, sie hängen auf der Strasse herum, rauchen "porros": das sind Drogen - besser gesagt die Abfallprodukte der Drogen wie Marihuana, Kokain oder Haschisch und damit noch gefährlicher - und um die Drogen zu kaufen, brauchen sie Geld, und dafür klauen sie alles, was sie finden und was sich verkaufen lässt ....

... Im Winter ist es für die Schüler besonders schlimm, denn die Schule hat auch keine Heizung, das heißt, die Kinder sitzen mit Anorak und Mützen im Klassenzimmer, in dem es außer ein paar klapprigen Stühlen und Tischen und einer armseligen Tafel so gut wie keine Einrichtung gibt ...

... Ganz viele Fächer wie Handarbeit, Kunst, Werken, Informatik, differenzierten Sportunterricht. Musik, Hauswirtschaft usw. gibt es gar nicht. Obwohl Informatik im Lehrplan steht, hat kaum eine staatliche Schule einen Computer. Wenn überhaupt, dann einen einzigen für alle Schüler. ...

FrauHuber

Von Beginn an waren in unsere karitativen Aktionen immer auch unsere Eltern eingebunden, und so kam z. B. über Frau Irmgard Schmid, die schon vor vielen Jahren die Verbindung zu Pater Norbert in Tansania hielt, auch der Kontakt zur Missionshilfe Brasilien zustande, die wir nun auch schon seit vielen Jahren unterstützen. Dass unsere Hilfe auch im Norden des größten Landes Südamerikas dringend benötigt wird, dass sie ankommt und dass man sie zu würdigen weiß, beweisen die zahllosen Dankesbriefe, die unsere hilfsbereiten Schülerinnen und Schüler Jahr für Jahr erreichen.

Text 3 k Junge

CoverInsgesamt flossen in den Jahren von 1984 bis 2001 ca. 56000 DM und seit 2002 ca. 10.000 Euro an Spendengeldern, also insgesamt ein stattlicher Betrag von ca. 38.600 Euro! Eine solche beeindruckende Summe konnte nur zustandekommen durch die regelmäßige und verlässliche Hilfe der ganzen Schulfamilie über Jahre hinweg - neben den Verkaufsaktionen unserer Schülerinnen und Schüler trugen ja auch die Spenden anlässlich zahlloser Veranstaltungen gerade in der Weihnachtszeit dazu bei. Und dass die Schulfamilie der Schiller-Volksschule auch auf plötzliche und unvorhergesehene Katastrophen reagieren kann, zeigte sich schon oft in den vergangenen Jahrzehnten. Als Beispiel seien genannt:

 

1990
Hilfe für rumänische Schulkinder unter Mithilfe der Lechhauser Wirtschaft

1994
Spenden- und Sammelaktion für kroatische Kinder während des Jugoslawienkrieges

1993
Schüler und Lehrer der Schiller- Volksschule produzieren an lässlich des Krieges in Bosnien im Tonstudio das von unserem Kollegen K. Fiedler komponierte und getextete Lied "Lasst sie nicht allein" und verkaufen zu Spendenzwecken die Kassette in großer Stückzahl!

2005
Hilfe für die Opfer des Tsunami in Südostasien

2007
Siebtklässler der Schiller- VS beteiligen sich an der Aktion "Straßenkind für einen Tag" und unterstützen mit dem Ertrag "terre des hommes".

Hin und wieder wurde und wird - vor allem vor dem Hintergrund zunehmender Armut in unserer unmittelbaren Umgebung - kritisch angemerkt, dass doch auch bei uns Bedarf für gezielte Hilfe in vielfältiger Form gegeben ist. Das ist sicher richtig. Richtig ist aber auch, auf die Verhältnisse insgesamt immer wieder hinzuweisen und daher haben wir uns besonders gefreut, dass in der letzten Ausgabe der "Schillyschote" Folgendes zu lesen war:

 

Das sollte man wissen!

Wenn wir die ganze Menschheit auf ein Dorf von 100 Einwohnern reduzieren würden, aber auf die Proportionen aller bestehenden Völker achten, wäre unser Dorf so zusammengestellt:

57 Asiaten - 21 Europäer - 14 - Amerikaner (Nord/Süd) - 8 Afrikaner
52 Frauen - 48 Männer
70 Nicht-Weiße - 30 Weiße
70 Nicht-Christen - 30 Christen
89 Heterosexuelle - 11 Homosexuelle

Sechs Personen würden 59% des gesamten Weltreichtums besitzen und alle sechs Personen kämen aus den USA. 80 hätten keine ausreichenden Wohnverhältnisse, 70 wären Analphabeten, 50 wären unterernährt, einer würde sterben, zwei würden geboren, einer hätte einen PC und nur einer hätte einen akademischen Abschluss.

Wenn man die Welt aus dieser Sicht betrachtet, wird jedem klar, dass das Bedürfnis nach Zusammengehörigkeit, Verständnis, Akzeptanz und Bildung notwendig ist.

Wenn Sie heute Morgen gesund und nicht krank aufgewacht sind, sind Sie glücklicher als eine Million Menschen, die die nächste Woche nicht erleben werden.

Falls Sie nie einen Krieg hautnah erlebt haben, nie die Einsamkeit durch Gefangenschaft, die Agonie des Gequälten oder Hunger gespürt haben, dann sind Sie glücklicher als 500 Millionen Menschen der Welt.

Falls Sie zur Kirche gehen können, ohne die Angst, dass Ihnen gedroht wird, Sie zu verhaften oder umzubringen, sind Sie glücklicher als drei Milliarden Menschen der Welt.

Falls sich in Ihrem Kühlschrank Nahrungsmittel befinden, Sie angezogen sind, ein Dach über dem Kopf haben und ein Bett, um zu schlafen, sind Sie reicher als 75% der Bewohner dieser Welt.

Falls Sie ein Konto bei einer Bank haben, etwas Geld in der Tasche, dann gehören Sie zu den 8% der wohlhabenden Menschen auf dieser Erde.

Sie lesen diese Zeilen: Damit gehören Sie nicht zu den zwei Milliarden Menschen, die nicht lesen können.

Wenn Sie wollen, geben Sie diese Information weiter. Vielleicht wird der Empfänger lächeln oder dankbar sein und zukünftig mehr Freude am Leben haben.

 Wir denken, unsere Redakteure beweisen mit diesem Beitrag einen bemerkenswerten Blick über den Tellerrand hinaus. Dafür verdienen sie ebenso Dank wie alle Mitglieder unserer Schulfamilie, die den eingangs angesprochenen Miteinander-Gedanken durchaus weltumfassend sehen.

Wir sind sicher, dass die Tradition des Helfens weit über die Grenzen unserer Schule, unserer Stadt und unseres Kontinents hinaus weiterhin bestehen bleiben wird, besonders weil unsere Schülerinnen und Schüler - wenigstens trifft dies für die meisten zu - schon verinnerlicht haben, was unsere Kollegin Christl Huber ihnen bei ihrem letzten Besuch mit auf den Weg gegeben hat:

... Wahrscheinlich ist euch jetzt bewusst, in welch schöne Schule ihr geht, wie schön es ist morgens anzukommen und alles sauber und warm vorzufinden und alle Geräte und Bücher zu haben, die für den Unterricht notwendig sind. Und wenn ihr wieder einmal überhaupt keine Lust auf Schule habt, dann denkt wenigstens kurz an die Kinder in Moreno, und euch geht es gleich wieder besser...

G. Breunig

   
   
   
   
   
   
   
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