Vorhang auf!

Als sich im April 1984 in der Aula der Schiller-Volksschule ein nagelneuer roter Vorhang öffnete und den Blick auf die Kulisse von "Hänsel und Gretel" freigab, war dies ein ganz besonderes Erlebnis: Zum ersten Mal konnte sich eine Theatergruppe unserer Schule auf der "hauseigenen" Bühne präsentieren!

HaenselGretelBis dahin hatten Theater- und Musikdarbietungen zu besonderen Anlässen entweder "ebenerdig" statt-gefunden oder die Elemente der Bretter, die auch für Schülerinnen und Schüler die Welt bedeuten können, mussten nach einem Fest oder einer Feier wieder zurückgegeben werden, waren sie doch lange Zeit immer "nur" als Leihgabe von befreundeten Nachbarschulen zu erhalten.

Dabei haben Musik und Theater an der Schiller-Volksschule eine Tradition, die bis in die "Gründerjahre" der Schule zurückreicht - wenn sich auch bis in die siebziger Jahre nur wenig geändert hat - Theater, Tanz und Musikdarbietungen fanden überwiegend in "geschlossenen Räumen" also in Klassenzimmern - statt, nur selten einmal in der Aula. Und da hatte man als Zuschauer in den hinteren Rängen immer Mühe, etwas zu sehen, spielte sich das Geschehen doch meist auf "gleicher Höhe" mit dem Publikum ab - oder auf bedenklich schwankendem und höchst unfallträchtigem Untergrund - zur besseren Sicht platzierte man die Akteure tollkühn auf eilig zusammengeschobenen Langbänken aus der Turnhalle!

Der Begeisterung der kleinen und größeren Akteure tat dies jedoch keinen Abbruch, ebenso wenig dem Engagement der Lehrkräfte, die Schulspiel- oder Musikgruppen betreuten. Immer schon standen Musik-und Theaterdarbietungen auf dem Programm zahlloser kleiner und großer Feiern und Veranstaltungen, vielleicht weil man ebenfalls immer schon zumindest instinktiv spürte, welch positive Wirkung von Musik und Theater nicht nur auf die Entwicklung der "Protagonisten" oder der jeweiligen Gruppe, sondern insgesamt auch auf die der ganzen Schulgemeinschaft ausstrahlen kann. Putze

Das wussten auch insbesondere die Pioniere des Schulspiels an der "neuen" Schiller-Volksschule. Viele Lehrkräfte prägten die Entwicklung an unserer Schule Ende der Siebziger- und Anfang der Achtzigerjahre entscheidend mit und manche denkwürdige Theateraufführung ist uns noch in Erinnerung.

In Erinnerung ist uns aber auch, dass damals sehr schnell klar war, dass es ohne echte Bühne einfach nicht gehen konnte. Weil wir einerseits nicht darauf verzichten wollten, uns andererseits aber keine eigene zur Verfügung stand, waren wir - wie schon erwähnt - zunächst einmal jahrelang auf die Unterstützung" "von außen" angewiesen! Da dies kein Dauerzustand sein konnte, wurde nun zielstrebig darauf hingearbeitet, möglichst bald auf eigenen Beinen - bzw. auf der eigenen Bühne mit allem "Drum und Dran" - stehen zu können.
So kam der Erlös nahezu aller Veranstaltungen zu Beginn der Achtzigerjahre fast ausschließlich diesem Zweck zugute, wobei man bei all diesen Anstrengungen der Schulfamilie immer auch auf den ersehnten Zuschuss aus städtischen Kassen hoffte. Irgendwann konnten sich dann die Verantwortlichen diesem zäh und unverdrossen vorgetragenen Ansinnen nicht länger verschließen, da ja nicht verborgen blieb, was im musischen Bereich an unserer Schule geleistet wurde. Höhepunkt dieser Leistungen war im Frühjahr 1984 die "Musische Woche" mit insgesamt 13 Veranstaltungen, die die Lehrer der Schiller-Volksschule vorbereitet hatten. Vom Spielenachmittag über verschiedene Workshops für Schüler und Eltern bis zur Uraufführung zweier Werke eines bekannten Augsburger Komponisten und zur Kinderoper "Hänsel und Gretel" mit Chor und Solisten aus unseren dritten bis sechsten Klassen reichte die beeindruckende Bandbreite.

Programm k

Schon damals wurde ganz bewusst auf die musische Erziehung als Gegenpol zur totalen Vereinnahmung durch die modernen Medien gesetzt, lautete doch das Motto "Weg von Bildschirm und Videogerät", eine Zielsetzung, die nichts von ihrer Aktualität verloren hat, zumal heute die Palette der elektronischen Verführer noch weit größer ist, wie wir alle wissen.

Zug um Zug wurden nun die Voraussetzungen geschaffen, um unsere Aula bei den verschiedensten Anlässen und Veranstaltungen schnell in einen Theatersaal verwandeln zu können, wo - fast - keine Wünsche mehr offen blieben:

So verfügt die Schule nun, wie gesagt, seit Mitte der Achtzigerjahre über eine eigene Bühne mit Vorhang, und Vorhänge gibt es lange auch schon zu Verdunkelungszwecken, da ja häufig nicht erst abends gespielt werden kann und Theateratmosphäre oft entscheidend von der richtigen Beleuchtung lebt - auch für diese wurden, ebenso wie für den "guten Ton" - in zahlreichen Kraftanstrengungen die finanziellen Voraussetzungen geschaffen, die vielen Schulspielgruppen und ihren engagierten Regisseuren und Regisseurinnen zugute kommen.
Wir erinnern uns an dieser Stelle gerne an denkwürdige Theatervormittage, Theaternachmittage und vor allem Theaterabende, an zahllose humorvolle, aber auch ernste, unterhaltsame, aber stets auch anspruchsvolle Stücke - bravourös aufgeführt von Schulspielgruppen, deren Mitglieder stets erleben durften, dass sie Teil eines ganz besonderen Ganzen sind. Und so wurden viele erfolgreiche Theaterprojekte für alle Teilnehmer zu Ereignissen, die aus ihrem Leben - und häufig auch aus der Erinnerung des Publikums - nicht mehr wegzudenken sind.

Wir denken z. B. an unzählige Sketche bei Faschingsfeiern, aber auch an die Stücke "Traum tanz" , wo es um die Drogenproblematik ging, oder "Oma und Klara" , eine Geschichte mit großer Tiefe und großer Emotion, übrigens beides "Produktionen", die auch im Rahmen diverser Schultheaterprojekte einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. Das gilt auch für das großartige Stück "Das Geheimnis von Colorito", das, von einer Kollegin unserer Schule geschrieben, unter Mitwirkung vieler Akteure vor allem auch unserer Schule, im Juli 2000 eine viel umjubelte Premiere im Theater Augsburg feierte, an die wir alle gerne zurückdenken, besonders in diesen Tagen, wo Klassen unserer Schule das Stück in Form einer Autorenlesung in einer Augsburger Buchhandlung neu kennenlernen durften.

geschminktWeiter sei erinnert an den "kleinen Vampir" (2000) und an ,,(M)Ausland ist überall" (2002) im Rahmen der Miteinander-Tage an der Schiller-Volksschule, um nur einige zu nennen. Die Stücke, die insbesondere unsere Grundschulklassen zu verschiedenen Anlässen in großer Zahl einstudiert haben, namentlich zu erwähnen, würde hier den Rahmen sprengen.

Dass Schulspiel bei allem Spaß, den es bringen kann, und trotz des großen Gewinns, der sich damit für alle Beteiligten zweifellos verbindet, alles andere als ein Kinderspiel ist, machte bereits vor 20 Jahren ein geschätzter Kollege im damaligen Jahresbericht deutlich:

"Spielen - ist doch einfach! Von wegen! Erstmal muss man wissen, was man spielen soll und will, ob es eher etwas Lustiges oder etwas Besinnliches sein soll, ein Schattenspiel oder eine Pantomime, ein Sketch oder eine eher musikalische Darbietung. Da muss einem schon was einfallen, sonst wird's langweilig, für die, die auf der Bühne stehen und erst recht für die, die davor sitzen.

Aber bekanntlich kommen die besten Ideen erst beim Spielen, und dazu braucht man viel Zeit, die wie immer recht knapp ist. Wo doch fast jeder einen anderen Stundenplan hat.
Aber irgendwie klappt's dann doch. Zu lernen gibt's übrigens auch jede Menge, nicht nur den Text, sondern auch wie man ihn spricht, wie man schaut und wie man ausschaut, wie man die Kulissen und vor allem sich selbst bewegt, denn welches Publikum sieht schon gerne breite Rücken auf der Bühne?

Ach ja, etwas anzuziehen braucht man auch! Ein Dirndl für die Brunhilde auf dem Lande, ein Gewehr für den Wilderer aus dem Finsterwald oder Stock und Hut für Charly. Requisite heißt das übrigens.

So richtig aufwendig wird's aber erst, wenn man etwas Größeres plant, z.B. ein chinesisches Märchen. Da muss erst einmal der Text bearbeitet werden, muss man sich Gedanken machen, wie so ein chinesischer Kaiser wohl ausgesehen haben mag, welche Musik man verwendet und wie das Bühnenbild aussehen könnte. Bei so viel Vorarbeit kann es schon vorkommen, dass man solch ein Projekt erst mal wieder auf Eis legt und im nächsten Jahr wieder aufgreift.

Und dann muss geprobt werden, immer und immer wieder, bis es "sitzt": und es wieder heißt "Spot an, Ton ab, Kamera läuft - Schulspiel, die erste!"

Zu diesen sicher nicht von der Hand zu weisenden Überlegungen passt irgendwie auch der Schlussgedanke aus dem Jahresbericht 200112002, in dem das damals scheidende Betreuerteam eine gewisse Schulspielmüdigkeit andeutete:

"Die Verantwortlichen der Schulspielgruppe hätten den Wunsch, dass sich in Zukunft wieder mehr Schülerinnen und Schüler - vor allem aus der Hauptschule für diese interessante Arbeitsgemeinschaft melden. Denn was wäre ein Schulfest an der Schillerschule ohne eine Aufführung der Schulspielgruppe?"

UnterrichtDiese letzte Frage hatte ganz eindeutig Aufforderungscharakter, und der in der Frage enthaltenen Aufforderung ist vor vier Jahren mit viel Schwung und Enthusiasmus ein neues Schulspielteam nachgekommen - was Regie und Dramaturgie ebenso betrifft wie das engagierte Schauspielensemble.

Die "Stücke aus der Klapsmühle" oder der "See der tausend Wünsche" waren genauso durchschlagende Erfolge wie "Die Weihnachtsgans von Müllermanns" oder "Der Weihnachtsmann im Gefängnis".

Alle Klassen von Grundschule und Hauptschule und auch die Besucher bei Festen und Feiern sind stets restlos begeistert, wenn unsere jungen Schauspieler, engagiert angeleitet von ihren Regisseuren, bei den verschiedensten Anlässen die Lachmuskeln strapazieren oder uns auch mit ihrem Spiel zum Nachdenken bringen. Bei unserer 100-Jahr-Feier - für die sich unsere Schauspieltruppe etwas ganz Besonderes hat einfallen lassen - können sich die Gäste einmal mehr von der Faszination des Schultheaters überzeugen, die mit Sicherheit auch ins "zweite Jahrhundert" der Schillerschule ausstrahlen wird!

G. Breunig

   
   
   
   
   
   
   
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