Festgemauert in der Erden
Steht ein Sockel aus Beton.
Darauf stand ganz viele Jahre
Würdig unser Schulpatron.


Die Fassade des Theaters
Hat er ursprünglich geziert,
Wie es einem Dichterfürsten
Eigentlich doch auch gebührt.


Doch es kamen schwere Jahre,
Übel ward ihm mitgespielt,
Dass es ihn dort am Theater
Einfach nicht mehr länger hielt.


So ist er dann zu uns gekommen
Nach langer Zeit zu guter Letzt,
Wenn auch schon etwas mitgenommen,
Man setzte ihn auf sein Podest.


Stolz mit hocherhob'nem Haupte
Grüßte er herab von dort.
Und ein jeder von uns glaubte,
Dieses wär' der richt' ge Ort,
Wo kein Leid ihm könnt' geschehen,
Ganz geschützt in seinem Eck.
Doch wir mussten's leider sehen:
Eines Tags - zu unsrem Schreck -
Ging er seines Haupts verlustig.
Und man fand es nicht sehr lustig,
Ihn so kopflos dort zu seh'n,
Nein, das war nun gar nicht schön!


Es begann ein Rätselraten:
Wer ist fähig solcher Taten?
Ob ein übler Scherz es war
Oder doch am Ende gar
Ein Unwetter in dunkler Nacht,
Welches dieses Werk vollbracht?


War's vielleicht der Zahn der Zeit,
Der schon in der Vergangenheit
An Kopf und Rumpf hatte genagt?
Wir haben uns auch das gefragt.


Nun, der Kopf wurde gerettet
Und säuberlich auf Stroh gebettet,
Wenn auch sichtlich ramponiert.
Dann der Rumpf ward abmontiert.
Wir alle hofften, Kopf und Rest
Kämen zurück auf das Podest
Restauriert im nächsten Jahr,
Leider dies ein Trugschluss war.


Verwaist war lange das Podest,
Doch nach mancherlei Protest
Gab es eine Wiederkehr,
Nur - man fand den Kopf nicht mehr!
Doch hielt man dies wohl nicht für schlimm,
Hauptsache schien, dass man beginnt,
Und so machten sich zwei Mann
An die Arbeit, gingen ran:
Von der Stirne heiß
Rann dabei der Schweiß!
Doch gab's sonst nicht viel zu loben,
Der Kopf fehlte noch immer oben!
Das war nun gar kein schönes Bild,
Drum hat den Rumpf man dann verhüllt.


Man war geneigt zu kritisieren,
Den Dichter selbst gar zu zitieren:
"Den schlechten Mann muss man verachten,
Der nie bedacht, was er vollbringt."
Doch woll'n wir's nicht so streng betrachten,
Wer weiß schon, womit mancher ringt.


Der Ausgang, er blieb lange offen.
Wir durften weiterhin nur hoffen,
Dass unser Schiller kehrt zurück,
nicht nur als Torso, nein am Stück!

Fast hatten wir schon aufgegeben
Zu hoffen, dass wir das erleben.
Aber mit des Geschickes Mächten
Ist manchmal doch ein Bund zu flechten.
So fand man denn - man glaubt es kaum -
In einem dunklen Kellerraum
Friedrich Schillers edles Haupt,
Wenn auch vergammelt und verstaubt,
Immer noch stark ramponiert,
Arg zerzaust und schwer lädiert!


Doch immerhin war aufgetaucht,
Was man zur Vollendung braucht:
Auf den Rumpf der Kopf gehört,
Weil es sonst ganz einfach stört;
Jetzt hofften wir, es geht voran,
Man setzt instand den ganzen Mann,
Doch weiter blieb der Rumpf verhüllt,
Was für ein jämmerliches Bild!


Und es verging noch manches Jahr,
Bis die Geduld zu Ende war:
Ein Kollege hat's erkannt:
Frisch, Gesellen! Seid zur Hand!
Frisch gewagt ist halb gewonnen!
Mutig wurde dann begonnen,
Unseren Schiller zu vollenden.
In Eigenregie, mit eigenen Händen
Ward auf den Rumpf der Kopf gesetzt -
Ein Happy End zu guter Letzt?


Nur vordergründig ist das richtig,
Denn nach wie vor war es schon wichtig,
Schiller ganz zu restaurieren,
Nur so kann er die Schule zieren.
Das hatten alle längst erkannt,
Fehlten doch Nase ihm und Hand,
So stand er da vor der Fassade,
Das war ganz einfach jammerschade!
Wie man es dreht und es auch wendet:
Er war noch immer unvollendet!


Ein neuer Anlauf ward genommen,
Als 2005 gekommen
Das Schiller-Jubiläumsjahr,
Das wirklich doch ein Anlass war,
Der Statue ein Gesicht zu geben.
Ihr einzuhauchen neues Leben,
Das schien geboten, sonnenklar,
In diesem Schiller-Jubeljahr!


Am Engagement sollt' es nicht liegen,
Bereit waren dies hinzukriegen
Kollegium und Elternschaft
Und manche altbewährte Kraft.


Gemeinsam kann gar vieles geh' n
Man konnte wieder einmal seh'n,
Wo weise Kräfte sinnvoll walten,
Lässt sich gar mancherlei gestalten!
Doch brauchten wir - so uns're Bitte -
In uns'rern Bunde auch noch Dritte!
Denn soll das Werk den Meister loben,
Braucht es den Segen von "ganz oben"!


Letztendlich gab es "grünes Licht" -
Gar mancher wollt' es glauben nicht.
Schiller stieg vom Podest herab,
Dann ging es in die Werkstatt ab,
Und die Sanierung konnt' beginnen.
Doch sollte noch viel Zeit verrinnen:
Da gab es noch so manche Sorgen,
Nicht alles geht von heut' auf morgen.


Zunächst lag es am Material,
Nicht alles war da erste Wahl,
Man braucht' das richtige Gestein,
Wohlüberlegt musste das sein.


Als diese Hürde war genommen,
Da musste Schiller erst bekommen
Den rechten Arm, die linke Hand,
Fachkundig hatte man erkannt,
dass viel musst werden repariert,
Denn auch das Knie war arg lädiert.


Beim Kopf war gar nichts mehr zu machen,
Und so wie früher mit halben Sachen
Man nicht mehr sich zufrieden gab,
Drum nahm den Kopf man schließlich ab,
Schuf völlig neu des Dichters Haupt.
Und wenn vielleicht da einer glaubt,
Dass dies so nebenbei nur geht,
Dann zeigt er, dass er nichts versteht
Von Steinmetzkunst in Perfektion,
Man muss es wirklich sagen schon:
Wenn solche Leistung wird vollbracht,
Kann es nicht gehen über Nacht.
Gut Ding will einfach Weile haben,
Drum Schiller wir in Hände gaben,
Wo er war bestens aufgehoben,
Das muss ganz ausdrücklich man loben!


Und schließlich war das Werk vollendet
Manch einer fühlt sich fast geblendet,
Wenn unser' n Schiller er entdeckt,
Und zwar nicht hinten mehr im Eck,
Sondern gleich beim Haupteingang.
Hat es gedauert auch sehr lang,
Bis er den Platz gefunden dort.
Endlich steht er am richtigen Ort.
Der langen Rede kurzer Sinn:
Da musste Schiller einfach hin.
Er hat den Platz, der ihm gebührt.
Wir hoffen, dass er inspiriert -
Nicht nur im Jubiläumsjahr -
Nun Tag für Tag der Schüler Schar!

 Schiller 1

 

 

 

 

Schiller 2

 

 

 

 

Schiller 3





Schiller 4





Schiller 5





Schiller 6





Schiller 7





Schiller 8


Mit Hingabe hat sich Steinmetzmeisterin Elisabeth Feiler
viele Monate lang "unserem" Schiller gewidmet -
wir sind ihr zu großem Dank verpflichtet!

   

 G. Breunig

 

Schiller 9

 

   
   
   
   
   
   
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