Vertiefte Berufsorientierung

Seit März 2004 bin ich unter der Trägerschaft der gfi (Gesellschaft zur Förderung beruflicher und sozialer Integration gGmbH) als Sozialpädagogin an der Schillerschule. Der Schwerpunkt meiner Arbeit lag von Anfang an im Bereich der Berufsvorbereitung.
Seit Mai 2007 tragen die Bundesagentur für Arbeit gemeinsam mit der Stadt Augsburg und der gfi gGmbH die Kosten für diese sozialpädagogische Begleitung der Schüler ("Vertiefte Berufsorientierung an Schulen nach § 33 SGBIII in Verbindung mit § 421q SGB III im Kontext berufsbezogener Sozialarbeit an Schulen" im Projekt "Schule und Beruf“ heißt das dann.)

Werkstatt-Praktika, Fähigkeitenparcours und andere Projekte

Schüler ab der 7. Klasse unterstütze ich auf dem Weg von der Schule in den Beruf, dazu fanden wieder eine Reihe unterschiedlicher Projekte statt. Beim gfi-Fähigkeitenparcours testeten die Schüler der 8. Klassen in spielerischer Form an verschiedenen Stationen ihre beruflichen Interessen und Fähigkeiten. Die Schüler der 7. und 8. Regelklassen konnten jeweils zwei Tage in den Werkstätten des Beruflichen Fortbildungszentrums (bfz) gGmbH verbringen und die Bereiche Holz, Elektro, Fliesen/Mosaik, Radwerkstatt und Verkauf/ Büro kennenlernen. Die meisten Jugendlichen fanden großen Gefallen an den Arbeiten und besonders an ihren Ergebnissen. Die Bilder sprechen für sich.

Eine Betriebserkundung bei der Firma Greif und Fahrten an verschiedene Berufsfachschulen oder Berufsgrundschuljahre bot ich für die Schüler an, die sich für die Ausbildung als Textilreiniger/¬in, im sozialen Bereich bzw. als Schreiner oder Zimmerer interessierten. Projekttage zu beruflichen Themen, Bewerbungstrainings sowie externe Informationsangebote wie "ABbA" oder "power me" und die Berufsinformationstage an der Schule vervollständigten die Reihe. Schülerinnen und Schüler bekamen so jede Menge Anregungen zu Berufswahl und Bewerbung, konnten sich über ihre Stärken und Schwächen, ihre Talente und Neigungen klar werden, sich über verschiedene Berufe und die Anforderungen unterschiedlicher Ausbildungen informieren.

Berufsorientierung, Bewerbungshilfe und Motivation

Im Schulalltag gab ich Hilfestellungen bei Berufswahl und Bewerbung, bei der Praktikums- und Lehrstellensuche und versorgte die Schüler mit allen wichtigen Informationen drumherum:

Die Berufsentscheidung ist schwer: Welche Berufe passen zu mir - zu meinen Interessen und meinem Können und meinem Alter? Welche sind für einen Hauptschüler überhaupt erreichbar?

  • Ratlosigkeit und Angst vor dieser schwerwiegenden Entscheidung: verständlich!
  • Natürlich handelt es sich um den ersten, aber nicht um den alles entscheidenden Schritt.
    Ich muss keineswegs mein ganzes Leben in diesem ersten erlernten Beruf arbeiten. Man/frau kann und wird sich weiterentwickeln!
  • Wer bereit ist weiter zu lernen (lebenslang!), zu kämpfen und lange genug durchzuhalten, der kann es weit bringen - vielleicht sogar zum ersehnten Traumberuf.

Damit eine Bewerbung überhaupt Sinn macht, sollte man/frau - neben passenden Berufen - natürlich
vorzeigbare Zeugnisse schon im vorletzten Schuljahr kriegen!

  • Dazu ist Motivation, Leistungsbereitschaft und Zielstrebigkeit gefragt, die nicht jede/jeder von alleine und kontinuierlich aufbringt.
  • Seine Zukunft selbst in die Hand nehmen, „Erwachsenwerden" heißt: nicht nur "chillen" oder "relaxen" und sich verstecken: "Ich hab ja eh' keine Chance".

Der Bewerbungsmarathon kostet Schüler, Familien, Lehrer ... Kraft, Nerven und manchen Kampf.

  • Nach Lehrstellenangeboten suchen, bei Betrieben nachfragen, gute Bewerbungen schreiben, Fotos machen, nachfragen, telefonieren, weiter bewerben, den Überblick behalten ...
  • Absagen aushalten, trotzdem weitermachen, weitere oder andere Berufe in Betracht ziehen, Probearbeiten (Viele Schüler machten das mehr als ein- bis zweimal!), wieder nachfragen, wieder telefonieren ...
  • Vorstellungsgespräche, Tests vorbereiten und durchstehen, wieder warten, wieder nachfragen ...

 

Berufswahl und Bewerbung setzen vieles voraus:
Knowhow, Organisation, Mut, Durchhaltevermögen, sich trauen, sich überwinden und ja nicht aufgeben!!! ... plus Vorbereitung auf den Schulabschluss, mit Aussicht auf das Ende der Schulzeit und mitten in einer Zeit, wo ganz andere Dinge wichtig erscheinen! Für manchen 15 bis 16-jährigen Schulabgänger ist das viel verlangt und dazu braucht es Hilfe und Ermunterung zuhause wie in der Schule. Lerngruppen in einer 8. Klasse waren beispielsweise ein Versuch der Schüler, sich gemeinsam zu bemühen und sich gegenseitig zu unterstützen.

Wenn‘s Probleme gibt

Eine Unzahl von Themen belasten die Jugendlichen während der Pubertät, manche können sie sogar aus der Bahn werfen: Probleme in oder mit der Schule, mit Mitschülern oder Freunden, in der Familie, Trennung, Scheidung, Unfall, Krankheit, Tod, Arbeitslosigkeit, Fukuschima, Mobbing, Drogen, Gewalt, eine Anzeige, Frust und Unlust in der Schule, Zukunftsängste und Unsicherheit angesichts schlechter Chancen ... eine Menge jedenfalls.

Wenn Schulweg und Abschluss nicht ganz erfolgreich ausgehen, wenn einfach keine Ausbildungsstelle zu finden ist oder wenn die Berufswahl furchtbar schwer fällt ... ? Dann musste eben gemeinsam mit der Berufsberatung nach sinnvollen und geeigneten Umwegen oder Übergangsmöglichkeiten gesucht (Praktika, Berufsvorbereitungsjahre, Berufsvorbereitende Lehrgänge ... ) oder eine Abkürzung wie die Praxisklasse überlegt werden. Es gibt kein allgemeingültiges Rezept für jeden, individuelle Lösungen sind gefragt. Unter anderem kam auch Frau Schüürmann von der "Brücke" wieder in einige Klassen, um unter dem Motto MEGA "Miteinander gegen Gewalt und Aggression" mit den Schülern Themen wie Mobbing, Toleranz und gegenseitiger Umgang zu behandeln.

Nichts geht ohne Kooperation

Schließlich war die Vernetzung der verschiedenen Unterstützungsangebote ein wichtiger Bestandteil meiner täglichen Arbeit. In beruflichen Fragen galt dies für die intensive Zusammenarbeit mit den beiden Berufseinstiegsbegleiterinnen Frau Neudert und Frau Wallner und insbesondere mit der Berufsberaterin. Frau Hipp kam zu den regelmäßigen Schulsprechstunden, zu einem gemeinsamen Elternabend und zu Unterrichteinheiten an die Schule und stand unseren Schülern bei vier BIZ- Besuchen zur Verfügung. Darüber hinaus kooperierte ich mit Erziehungsbeiständen und Familienhelfern, mit Betreuungs- und Präventionseinrichtungen wie fit for school, Brücke -e.V, ASA etc., die Schüler intensiver begleiteten. Auch im Rahmen der vertieften Berufsorientierung bin ich in allen möglichen Belangen Anlaufstelle für Schülerinnen und Schüler, für Eltern und Familienangehörige, mitunter auch ehemalige Schüler, und vermittle dann zu anderen kompetenteren Stellen, wie beispielsweise zu Jugendamt oder Erziehungsberatungsstellen ... oder informiere, wie und wo die Betroffenen sich selbst Unterstützung bekommen, wie z. B. in Fragen des Bildungspakets.

Die Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern, mit ihrer unterschiedlichen Herkunft und ihrer jeweiligen Persönlichkeit, macht mir Freude und konnte nur gelingen dank der vertrauensvollen Kooperation mit der Schulleitung, den Klassenleitern und vielen Lehrkräften sowie allen anderen, die an den Schülern interessiert sind.

Danke.

F. Schneider

   
   
   
   
   
   
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