Konrektorin Frau Wieland (2007 - 2012)

Rein rechnerisch waren es zwar nur fünf Jahre – „gefühlt“ war die Zeit allerdings viel länger, in der Elisabeth Wieland als Konrektorin an der Schillerschule gewirkt hat. Und das liegt vor allem daran, dass sie im Schuljahr 2011/12 absolut souverän die Geschicke sowohl der Schiller-Grundschule als auch die der Schiller-Mittelschule lenkte, ganz so, als ob es das Selbstverständlichste wäre, nach dem Ausscheiden von Rektor Georg Breunig und Konrektor Reinhard Koller aus dem aktiven Dienst am Ende des Schuljahres 2010/11 in der Schaltzentrale einer der größten Augsburger Schulen die immense Arbeit alleine zu bewältigen, mit der das Schulleitungsteam in den Jahren zuvor auch zu dritt schon voll und ganz ausgelastet war.

Dass sie dazu in der Lage sein würde, auch unter erschwerten Umständen die vielfältigen Herausforderungen im Bereich der Schulleitung an unserer Schule nicht nur zu schultern, sondern auch zu meistern, hatte sich allerdings schon bald nach ihrem Amtsantritt als Konrektorin zu Beginn des Schuljahres 2007/2008 angedeutet. Aufgrund ihres langjährigen Einsatzes zumeist als Klasslehrerin in Wielandnahezu allen Jahrgangsstufen von Grund- und Hauptschule war sie geradezu prädestiniert für eine Funktionsstelle in der Schulleitung einer Vollschule wie der Schillerschule, zumal sie zu den ganz wenigen Lehrkräften mit der sog. „neuen Lehrerbildung“ gehört, die sowohl über die Lehrbefähigung für die Grund- als auch für die Hauptschule verfügen. So war sie ganz selbstverständlich von Beginn an innerhalb des Schulleitungsteams in nahezu alle Tätigkeiten und Aufgaben eingebunden, die gleichermaßen Grund- und Hauptschule betrafen. Viele davon übernahm sie schon sehr bald eigenverantwortlich, wobei sie ein breites Spektrum abdeckte, spannte sich der Bogen doch über alle wichtigen Bereiche, von Organisations-, Informations- und Kommunikationsaufgaben über Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung bis hin zur pädagogischen Führung. Aus der Fülle der Aufgabenbereiche seien z.B. die pädagogische und organisatorische Begleitung des Übergangs vom Kindergarten in die Grundschule, die enge Kooperation mit der Schulsozialarbeit im Hinblick auf eine permanente pädagogische Begleitung etwa bei der Berufswahlvorbereitung sowie auf eine möglichst früh einsetzende Präventionsarbeit im umfassenden Sinne, das Initiieren und die Organisation von Fortbildungsveranstaltungen, die Beratung und Unterstützung der Lehrkräfte bei der Durchführung von Projekten und längerfristigen Unterrichtsplanungen, die Erstellung des Stundenplans sowie die Erarbeitung detaillierter Terminplanungen für verschiedene Anlässe, die Mitarbeit in zahllosen übergeordneten Gremien oder die regelmäßige Teilnahme an sämtlichen Sitzungen von Elternbeirat oder Schulforum genannt, um nur einige herauszugreifen.

In den letzten Jahren war der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund an der Schillerschule stets kontinuierlich angestiegen und hat sich mittlerweile auf ca. 70% eingependelt. Und so muss es geradezu als Glücksfall angesehen werden, dass eine Lehrkraft an maßgeblicher Stelle innerhalb der Schulleitung gewissermaßen als Idealbesetzung Verantwortung übernimmt, für die der Einsatz für eben diese Schülerinnen und Schüler nicht nur immer schon eine Herzensangelegenheit gewesen ist, sondern die darüber hinaus als langjährige „Fachbetreuerin für den Unterricht mit Schülerinnen und Schülern nichtdeutscher Muttersprache und für interkulturelle Erziehung an Grund- und Hauptschulen“ – heute „Fachberaterin Migration“ - auch über die nötige fachliche Kompetenz verfügt, diesen Einsatz besonders qualifiziert und effizient zu gestalten, sei es bei der Organisation der sog. Vorkurse und der zahlreichen Deutschfördermaßnahmen oder bei der Betreuung und Begleitung besonderer Projekte wie z.B. des Stadtteilmütterprojekts oder der Deutschkurse für Mütter und Väter unserer Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund.

Ganz wichtig war es für Elisabeth Wieland stets, den Wortlaut des Artikels 131 aus der Bayerischen Verfassung mit Leben zu erfüllen, in dem es heißt: „Die Schulen sollen nicht nur Wissen und Können vermitteln, sondern auch Herz und Charakter bilden.“ Dabei standen für sie beide Forderungen immer gleichberechtigt nebeneinander, womit ihre Haltung exakt mit der pädagogischen Grundausrichtung übereinstimmte, die die Gestaltung von Unterricht und Erziehung an der Schillerschule immer schon geprägt hatte, und mit der sie sich zum Wohle der ihr sowie ihren Kolleginnen und Kollegen anvertrauten Schülerinnen und Schüler voll und ganz identifizierte.

Diese pädagogische Grundhaltung wurde gerade im Schuljahr 2011/12, als ein ganzes Jahr lang die kommissarische Leitung der Schillerschule auf Elisabeth Wielands Schultern ruhte, sowohl im schulischen Alltag als auch bei vielen weit darüber hinausgehenden Anlässen mehr als deutlich.

So war es ihr zum einen sehr wichtig, den in den letzten Jahren zielstrebig begonnenen Prozess der Unterrichtsentwicklung und Qualitätssicherung an der Schillerschule kontinuierlich weiterzuführen und voranzutreiben und sich dabei den aktuellen Herausforderungen sowohl im Bereich der Grundschule als auch in dem der Mittelschule mit großer Offenheit, Innovationsfreude und spürbarem Elan zu stellen, beispielsweise bei der beständigen Weiterentwicklung des Schuleinschreibungsverfahrens, bei der fachgerechten Umsetzung des neuen Formats der Projektprüfung im Rahmen des qualifizierenden Hauptschulabschlusses ebenso wie des mittleren Abschlusses der Hauptschule sowie bei der Organisation und Durchführung von Veranstaltungen im Rahmen der schulinternen Lehrerfortbildung. Auch der kontinuierliche Ausbau der Betreuungs- und Unterstützungsangebote für unsere Kinder und Jugendlichen darf in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben. Dass es sich dabei ausnahmslos um Aufgaben handelt, die insbesondere auf Seiten der Schulleitung sowohl bei der inhaltlichen als auch bei der organisatorischen Bewältigung größtmöglichen Einsatz, höchstes Engagement und nicht zuletzt eine gehörige Portion Fingerspitzengefühl erfordern, bedarf eigentlich keiner besonderen Erwähnung.

Zum anderen war immer deutlich zu erkennen, dass neben der Vermittlung von Wissen und Können - und daneben der Bereitstellung aller notwendigen „flankierenden Maßnahmen“, die diesem Ziel förderlich sein konnten - für Elisabeth Wieland gleichrangig die Betonung der Herzens- und Charakterbildung im Mittelpunkt der Bildungs- und Erziehungsarbeit sowohl im unterrichtlichen als auch im außerunterrichtlichen Bereich stand, wobei ihr Bildungsziele wie die Achtung vor der Würde des Menschen, Verantwortungsgefühl und Verantwortungsfreudigkeit, die Bereitschaft zu friedlichem Zusammenleben und zu gewaltfreier Konfliktlösung, der Respekt vor und die Offenheit für Wertvorstellungen von Angehörigen verschiedener Nationalitäten, Religionen und Kulturen sowie das Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt besonders am Herzen lagen.

Und so konnte sich Elisabeth Wieland auch voll und ganz mit dem Motto der Schillerschule identifizieren, die sich schon vor vielen Jahren ganz bewusst der Idee eines „respektvollen und verantwortungsbewussten Miteinander“ verschrieben hatte. Ihr lag daran, diese Idee tagtäglich mit Leben zu erfüllen und zu verwirklichen, sei es in der Unterrichts- und Erziehungsarbeit, im Pflichtunterricht ebenso wie im Wahlunterricht, vor allem aber auch in den zahlreichen Arbeitsgemeinschaften in Grund- und Mittelschule, deren Zustandekommen zu ermöglichen ihr trotz immer enger werdender Spielräume gelang – nicht zuletzt deswegen, weil ihr dies auch aus nachvollziehbaren pädagogischen Gründen nicht nur wichtig, sondern stets ein echtes Anliegen war.
Besonders bei den vielfältigen Aktivitäten im außerunterrichtlichen Bereich zeigte sich regelmäßig, dass für Elisabeth Wieland die „Miteinander-Idee“ über das bewusste Miteinander in den Klassen, in den Gruppen und im Kollegium weit hinausging. Immer schon hatte sich diese Idee an unserer Schule in mannigfacher Weise fortgesetzt und dies war auch und besonders im vergangenen Schuljahr in äußerst facettenreicher Ausprägung sichtbar, vor allem im Schulleben, an dem die ganze multikulturelle Schulfamilie in bester Tradition Anteil nahm und mitwirkte. Und jeder, der dabei war, konnte das sehen, z.B. bei der alljährlichen Weihnachtsfeier im Dezember oder bei „LechKultur“, der letztjährigen Fortsetzungsveranstaltung der traditionellen kulturellen Lechhauser Highlights, aber auch bei ganz speziellen Aktivitäten wie den für unsere Schülerinnen und Schüler in den Abschlussklassen eminent wichtigen Berufsinformationsnachmittagen in Zusammenarbeit vor allem mit der Lechhauser Wirtschaft, für deren Erfolg auch im letzten Schuljahr Elisabeth Wieland wieder einmal maßgeblich mitverantwortlich war, was auch und vor allem für die beeindruckende und unvergessliche Verabschiedungsfeier gilt, die die ganze Schulfamilie der Schillerschule den beiden schon erwähnten Kollegen aus dem langjährigen Schulleitungsteam bereitet hat.

Dass sie neben all diesen beschriebenen Aktivitäten auch noch nicht nur im Rahmen ihrer Fachberatertätigkeit in zahlreichen schul- und bereichsübergreifenden Gremien – z.B. im Arbeitskreis Schule-Wirtschaft, im Integrationsbeirat der Stadt Augsburg, im Ausschuss Schule und Bildung u.a. – stets mit vollem Einsatz mitwirkte und dabei der dort geleisteten Arbeit durch hohes Engagement, ausgeprägten Sachverstand und profunde Fachkenntnisse deutlich und unverkennbar ihren eigenen Stempel aufzudrücken vermochte oder Fortbildungsveranstaltungen im interkulturellen Bereich nicht nur zu organisieren, sondern diese auch inhaltlich in Form von eigenen Beiträgen und Präsentationen mitzugestalten verstand, verdient höchste Anerkennung!

Und so gebührt Elisabeth Wieland für ihr gesamtes Wirken, insbesondere aber für ihre Arbeit im letzten Schuljahr, wo sie schlichtweg Außergewöhnliches geleistet hat, größter Respekt, den ihr alle, mit denen sie und für die sie gearbeitet hat, vorbehaltlos zollen: Schülerinnen und Schüler genauso wie das Kollegium, das Verwaltungspersonal und die Elternschaft, kurz alle Mitglieder der Schulfamilie der Schillerschule, die ihre herausragenden Leistungen ebenso voll und ganz anerkennen wie die Vertreter der zahlreichen Betreuungseinrichtungen und unterstützenden Institutionen, mit denen die Schule zusammenarbeitet, sowie alle anderen außerschulischen Partner.

Alle haben bewundert, wie sie trotz der immer dichteren Terminfülle und des ständig wachsenden Arbeitspensums und der – heute leider fast schon als normal zu bezeichnenden - Hektik im Schulalltag ihre Aufgaben in der Schulleitung nicht nur äußerst gewissenhaft und pflichtbewusst, sondern auch stets durchdacht, überlegt und absolut souverän bewältigt und gemeistert hat. Besonders geschätzt – und das wird dauerhaft in Erinnerung bleiben - aber wurde sie wegen ihres stets offenen Ohrs für alle Sorgen und Nöte – ganz gleich, ob sie von Schülerinnen oder Schülern, aus dem Kollegium oder von Seiten der Elternschaft an sie herangetragen wurden, wegen ihrer Fürsorglichkeit und Geduld sowie ihrer Verlässlichkeit und Solidarität, vor allem jedoch wegen ihrer stets und in allen Situationen spürbaren mitmenschlichen Art, mit der sie allen Mitgliedern der großen Schulfamilie der Schillerschule begegnete, die die Nachricht von ihrem Weggang von der Schule mit außerordentlichem Bedauern aufgenommen haben – ihre herausragenden Qualitäten sind aber nun einmal auch anderswo nicht unbemerkt geblieben.

Elisabeth Wieland hat an der Schillerschule eine schmerzliche Lücke hinterlassen, die so leicht nicht zu schließen sein wird, gleichzeitig aber durch ihr ungemein engagiertes Wirken deutliche Spuren hinterlassen, die noch lange sichtbar bleiben werden – dafür und überhaupt für alles, was sie für unsere Schule geleistet hat, sei ihr ganz herzlich Dank gesagt, verbunden mit den allerbesten Wünschen, nicht nur für ihre berufliche Zukunft!

 

   
   
   
   
   
   
   
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