Editorial 2011/2012

Es geht um die Kinder!

"Es geht um die Kinder" - dies ist einer der wichtigsten Sätze, wenn nicht gar der wichtigste Satz überhaupt im Buch "Die Konferenz der Tiere" von Erich Kästner. Erinnert habe ich mich an dieses wunderbare und so lehrreiche Buch, als unser ehemaliger Rektor Georg Breunig anlässlich seiner Verabschiedung in seiner Abschiedsrede die "Konferenz der Tiere" als sein Lieblingsbuch bezeichnete und daraus zitierte.
Erich Kästner hat dieses Buch bereits 1949 verfasst, aber es hat bis heute nichts an Aktualität verloren. Das Leben in Deutschland war damals noch geprägt von den Folgen des zweiten Weltkriegs. Zwar hatte das alltägliche Leben bereits wieder an Normalität gewonnen. Ausreichend Lebensmittel standen zur Verfügung und auch zunehmend Arbeit war für Frauen und Männer vorhanden, so dass die Familien versorgt werden konnten. Das Leben der Menschen kam wieder in Ordnung. Aber bei all diesen positiven Enrwicklungen gab es auch eine Schattenseite, die vor allem die Kinder betraf: Vielen Kindern war ihre Kindheit genommen worden. Statt mit den Freunden auf der Wiese Fußball zu spielen, saßen sie in Luftschutzkellern oder halfen ihren Müttern bei der Bewältigung des so schwierigen Kriegsalltags. Oftmals hatten die Kinder ihre Eltern, Bekannte und Freunde verloren. Auch hatten Bomben ihr Zuhause und ihre Spielsachen zerstört. Vertreibung und Flucht hatten vielen die Heimat und damit ihre Wurzeln genommen.
Unter dem Eindruck dieser Erlebnisse hat Erich Kästner "Die Konferenz der Tiere" geschrieben. Darin beklagen Oskar, der Elefant, Alois, der Löwe und die Giraffe Leopold, dass die Menschen immer nur Krieg führen und darüber ihre Kinder vergessen: Die Staatsmänner der verschiedenen Länder streiten in zahlreichen und langwierigen Konferenzen, aber zu einem einvernehmlichen Ergebnis kommen sie nicht. Daher beschließen die Tiere erwas zu unternehmen: Sie laden Vertreter aller Tierarten aus der ganzen Welt, ja sogar die Tiere aus Bilderbüchern, zu einer "Konferenz der Tiere" ein. Als Ort für das Zusammentreffen wird das "Hochhaus der Tiere" gewählt. In sehr humoriger und anschaulicher Weise beschreibt Erich Kästner, wie die Tiere keine Anstrengung scheuen, um zunächst die Nachricht vom Stattfinden der Konferenz zu verbreiten, und schließlich jede Anstrengung auf sich nehmen, nur um rechtzeitig am Konferenzort zu sein. Die "Anreise" gestaltet sich für einige Tiere recht beschwerlich, aber alle helfen mit, dass jeder ans Ziel kommen kann. Eine gemeinsame Sache treibt sie an und lässt sie alle Schwierigkeiten überwinden, denn "es geht um die Kinder"! Die Konferenz der Tiere beschließt, ihr Anliegen den Staatsmännern, die gerade in Kapstadt ihre 87ste (!) Konferenz abhalten, vorzutragen. Aber die Tiere müssen feststellen: Die Staatsmänner interessieren sich nicht für ihre Botschaft. Sie kümmern sich um Papiere und Schreiben und legen großen Wert auf ihre Uniformen. Auch als viele Mäuse und Ratten nach Kapstadt geschickt werden, um die Akten zu zerstören und schließlich die Motten alle Uniformen zerfressen, erhalten die Tiere keine Aufmerksamkeit für ihre wichtige Botschaft. Erst als sie die Kinder der Menschen entführen und es überall auf der Welt ganz still wird und die Staatsmänner befürchten, dass sie nicht mehr gewählt werden, sind diese bereit, einen Vertrag zu unterschreiben. Die Tiere fordern in diesem Vertrag:

1. "Alle Grenzpfähle und Grenzwachen werden beseitigt." ( ... )
2. ( ... ) "Es gibt keine Kriege mehr."
3. Die Polizei wacht darüber, "dass Wissenschaft und Technik ausschließlich im Dienst des Friedens stehen".
4. ( ... ) "Die Büros sind für die Menschen da, und nicht umgekehrt" .
5. "Die bestbezahlten Beamten werden in Zukunft die Lehrer sein. Die Aufgabe, die Kinder zu wahren Menschen zu erziehen, ist die höchste und schwerste Aufgabe". ( ... ) 

Die Staatsmänner stimmen den Forderungen zu und alle unterschreiben den "ewigen Friedensvertag". Die Kinder, die von den Tieren bestens versorgt und umsorgt waren, kehren zu ihren Eltern und Großeltern zurück. Die Menschen sind den Tieren sehr dankbar und wollen diese ehren. Aber die Tiere lehnen dies ab und Oskar, der Elefant, trompetet: "Wir taten' s wegen der Kinder! Deren Glück ist mir Ehre und Ruhm genug!" -
In Zeitungen und Nachrichtensendungen wird auch heute täglich aus Krisen- und Kriegsgebieten berichtet. Machtkämpfe und bürgerkriegsähnliche Zustände wie derzeit in Syrien, unsichere politische Verhältnisse wie in Ägypten oder die völlig unzureichende Nahrungsmittelversorgung in vielen afrikanischen Staaten seien hier als Beispiele genannt. Die Reihe der Gebiete und Länder, in denen Kinder von Krieg, Hunger und Armut bedroht sind, könnte noch lange fortgesetzt werden.
Unsere Kinder und wir haben das große Glück, hier in Europa seit nun bereits weit über 60 Jahren in Frieden und Sicherheit leben zu dürfen. Wahrscheinlich waren die Lebensbedingungen - trotz gewisser Einschränkungen - noch nie so angenehm und komfortabel wie heute. Hunger, Not und Elend bleiben unseren Kindern erspart, aber dennoch ist ihr Wohlergehen oft genug gefährdet.
In Presseberichten kann man immer wieder lesen, dass auch in Deutschland Kinder von Armut bedroht sind. Darüber hinaus wissen wir alle von den wenig positiven und zum Teil sogar bedrohlichen Einflüssen, die von Internet, Fernsehen und Werbung ausgehen. Mobbing und Ausgrenzung werden zunehmend zum Problem. Kinder spüren nicht zuletzt in diesem Zusammenhang "die Auswirkungen von seelischer und körperlicher Gewalt. Durch den allgemein beklagten Wertewandel oder gar Werteverlust gehen Strukturen verloren, die Leitlinien waren und daher Orientierung und Sicherheit gaben. Einher geht damit die abnehmende Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, das "ICH" steht eher im Vordergrund als das "WIR". Die Wirtschaft mit ihren "flexiblen" Arbeitszeiten nimmt wenig Rücksicht auf die Bedürfnisse von Familien und macht es unseren Jugendlichen nicht immer leicht, in die Berufswelt einzusteigen. In vielen Familien sind die Kinder auch durch Trennung oder Scheidung ihrer Eltern belastet. Und nicht selten begleiten Leistungsdruck und Versagensangst Schülerinnen und Schüler in ihrem Alltag.
Erich Kästners Mahnung, die Kinder im Blick zu behalten, die eigentlich die ganze "Konferenz der Tiere" durchzieht, ist also auch heute noch mehr als berechtigt. Und als unser ehemaliger Rektor in seiner schon erwähnten Abschiedsrede an dieses so wichtige und wunderbare Buch erinnerte, fasste er sicher ganz bewusst den gesamten Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule in den bekannten fünf Worten zusammen:
"Es geht um die Kinder!"
Diesen Auftrag haben Herr Breunig und auch Herr Koller, der sich zeitgleich mit unserem ehemaligen Rektor am Ende des letzten Schuljahres in den Ruhestand verabschiedete, während ihres jahrzehntelangen äußerst engagierten Wirkens an unserer Schule immer im Blick behalten. Beide haben ihr pädagogisches Handeln stets auf die aktuellen Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler ausgerichtet und somit immer wieder wichtige zeitgemäße Impulse gesetzt.
Es ging und geht immer um die Kinder. Dessen sind sich auch unserer Lehrkräfte, unsere Eltern und viele außerschulische Partner bewusst, daher haben gerade auch in diesem Schuljahr wieder alle mit "angepackt", wenn es darum ging, unsere Kinder und Jugendlichen stark zu machen für die jeweils aktuelle Lebenssituation, aber auch stark zu machen für eine gute Zukunft. Das ist unser gemeinsames Ziel.
Unsere Lehrkräfte begleiten und unterstützen ihre Schülerinnen und Schüler während des Unterrichts und im Rahmen unserer zahlreichen Arbeitsgemeinschaften, aber auch in einer Vielzahl von täglichen und alltäglichen Situationen, die oft sehr spontan eine angemessene Reaktion erfordern.
Oftmals ist es Eltern aus den unterschiedlichsten Gründen nicht möglich, ihre Kinder am Nachmittag selbst zu betreuen. Im Rahmen der Mittags- bzw. verlängerten Mittagsbetreuung sowie der offenen Ganztagsschule wissen sie diese jedoch etwa bei Frau Linster, Frau Mages und allen weiteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im "Juze" sehr gut aufgehoben. Unsere Schülerinnen und Schüler aus Grund- und Mittelschule erhalten dort nicht nur täglich ein warmes Mittagessen, das übrigens fast ausschließlich mit biologischen Produkten zubereitet wird, sondern die Betreuerinnen und Betreuer halten neben einer Unterstützung bei der Erledigung der Hausaufgaben auch ein vielfältiges pädagogisch orientiertes Angebot bereit. Dabei geht es neben dem Erwerb von sozialen Kompetenzen auch um eine sinnvolle Freizeitgestaltung, fernab von Fernsehen und Computer.
An dieser Stelle sei unseren Lehrkräften, aber auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterin in allen Betreuungseinrichtungen, in denen unsere Kinder untergebracht sind, ganz herzlich gedankt für die Geduld, für den oftmals sehr persönlichen Einsatz, für das großes Engagement und für ihr verantwortungsbewusstes pädagogisches Handeln zum Wohle unserer Kinder und Jugendlichen.
Schule und Elternhaus sind untrennbar verbunden, wenn es" um die Kinder geh t". Das wichtigste Bindeglied ist hierbei unser Elternbeirat. Gleich zu Beginn des Schuljahres setzten die jeweils gewählten Mitglieder des Elternbeirats aus Grund - bzw. Mittelschule mit ihrer Entscheidung, einen "gemeinsamen Elternbeirat" zu bilden und auch weitere "beratende" Mitglieder über die vorgesehene Anzahl der Elternbeiratsmitglieder hinaus "zuzulassen", ein deutliches Signal im Hinblick auf Offenheit, Kooperationsbereitschaft und echtes Interesse an der ganzen Schule. Im Verlauf des Schuljahres haben unsere Elternvertreterinnen und Elternvertreter in vielen Sitzungen, die immer von einer Atmosphäre des gegenseitigen Verständnisses getragen waren, aber auch durch ihre Teilnahme an den unterschiedlichsten Veranstaltungen, durch ihr großes Engagement bei der Bewirtung der Gäste im Rahmen unseres Schulfestes „Lechkultur an der Schillerschule" am 11. Mai 2012 und nicht zuletzt auch durch die großzügige finanzielle Unterstützung unserer Schule gezeigt, dass es ihnen "um die Kinder geht". Daher möchte ich im Namen der ganzen Schulfamilie der Schillerschule herzlichen Dank sagen für ihre Arbeit, aber auch - und das ganz persönlich - für die sehr angenehme und aus meiner Sicht konstruktive Zusammenarbeit!
An dieser Stelle sei der Dank auch ausdrücklich an das Team vom "gesunden Pausenbrot" gerichtet für sein zuverlässiges Engagement und das reichhaltige verlockende Angebot, das wie schon in den Jahren zuvor keine Wünsche offen ließ.
Ein ganz besonderer - auch ein ganz persönlicher - Dank geht an "unser" Sekretariat! Ich glaube, nur wenige können wirklich ermessen, was es heißt, Ansprechpartner für Wünsche, Fragen und Sorgen von "kleinen und großen" Schülerinnen und Schülern, von Eltern und Lehrkräften zu sein, dazu noch eine Flut vielfältiger obligatorischer täglicher Aufgaben zu bewältigen und dann auch immer noch parat zu stehen für "Notfälle". All dies meistern Frau Unger, Frau Rall, aber auch Frau Hauser und Frau Buchholz Tag für Tag in stets freundlicher und äußerst hilfsbereiter Weise!
"Oh, eine schöne Schule, so sauber!" - diesen Satz kann man immer wieder hören und zwar von Leuten, die an viele unterschiedliche Schulen kommen; sie heben hervor, was wir als selbstverständlich ansehen. Hierfür sei Herrn und Frau Knöferl sowie ihrem Reinigungsteam ein ganz herzlicher Dank gesagt. Dieser Dank an unser Hausmeisterehepaar gilt aber auch für das große Engagement und den vielfältigen Einsatz für "unsere" Schule überhaupt, oft weit über das "Normalmaß" hinaus!
Gedankt sei an dieser Stelle auch ganz ausdrücklich allen,
- die unsere Schülerinnen und Schüler auf ihrem Weg in ihre berufliche Zukunft beraten und begleiten und hierbei mithilfe unterschiedlichster Bausteine äußerst wertvolle Unterstützung leisten ...
- die Eltern, Kindern und Jugendlichen in sozialen und erziehlichen Fragen mit Rat und Tat zur Seite stehen und auch uns Lehrkräften stets äußerst kollegial als Ansprechpartner verbunden sind und somit helfen, für unsere Kinder und Jugendlichen möglichst gute Lern- und Lebensbedingungen zu schaffen ...
- die immer wieder die unterschiedlichsten Projekte an unserer Schule durchführen und somit einen unschätzbaren Beitrag zur "Prävention" im weitesten Sinne leisten.
"Es geht um die Kinder" - diesen Auftrag haben wir in diesem Schuljahr wieder sehr ernst genommen und konnten - das glaube ich in aller Bescheidenheit sagen zu dürfen - immer wieder Impulse zum Wohl unserer Schülerinnen und Schüler gesetzt. Dies darf alle, die daran in irgendeiner Weise beteiligt waren, stolz auf die geleistete Arbeit machen, denn schon die Tiere in Erich Kastners Buch "Die Konferenz der Tiere" haben erkannt: "Die Aufgabe, die Kinder zu wahren Menschen zu erziehen, ist die höchste und schwerste Aufgabe".
Davon darf man sich nach getaner Arbeit aber ruhig auch einmal richtig ausruhen! In diesem Sinne wünsche ich allen an der eminent "wichtigen Bildungs- und Erziehungsarbeit Beteiligten schöne Ferien- und Urlaubstage mit Zeit und Ruhe zum Entspannen und Abschalten, um dann gut erholt und freudig an die "höchste und schwerste Aufgabe" heranzugehen, wenn es im September wieder heißt: "Es geht um die Kinder!". < /p>

Und da es eigentlich bis zuletzt um die Kinder ging, seien auch die letzten Worte an sie gerichtet:

SCHÖNE UND ERHOLSAME FERlEN

wünsche ich ganz herzlich

allen Schülerinnen und Schülern!

E. Wieland

   
   
   
   
   
   
   
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