Editorial 2010/2011

Abschied von der Schillerschule nach 41 Jahren

Als mir zu Beginn des Schuljahres 1970/71 in meinem zweiten Dienstjahr unser damaliger Schulrat Hans Loy mitteilte, dass ich an die Schillerschule in Lechhausen versetzt werde und dass dies schon etwas Besonderes sei, konnte ich mir zunächst nicht so richtig vorstellen, was damit gemeint war. Das änderte sich aber spätestens bei der ersten Lehrerkonferenz und erst recht in den da- rauffolgenden Schultagen und -wochen. Ich darf hier unseren ehemaligen Rektor, Herrn Arkad Gropper, zitieren, der der Schillerschule einst attestierte, sich als eine der damaligen Modellhauptschulen in Bayern "durch Besetzung mit ausgesuchtem Hauptschulpersonal zu einer Stätte wohlüberlegter und maßvoller Schulversuche" zu entwickeln.

Zu diesem "ausgesuchten Hauptschulpersonal" nun dazuzugehören, war für mich ein ausgesprochener Glücksfall, und es war beeindruckend mitzuerleben, wie engagiert das Kollegium sich den neuen Herausforderungen stellte, die es vor dem Hintergrund auch damals schon tiefgreifender Veränderungen in der Wirtschafts- und Arbeitswelt zu bewältigen galt.

Nachhaltig beeindruckt hat mich in dieser Anfangszeit aber auch ein Zweites. In der Bayerischen Verfassung heißt es in Artikel 131: "Die Schulen sollen nicht nur Wissen und Können vermitteln, sondern auch Herz und Charakter bilden." Dass neben der reinen Wissensvermittlung vor allem auch das zweite hier angesprochene Ziel stets im Mittelpunkt der unterrichtlichen und erziehlichen Bemühungen stand, war an der Schillerschule von Anfang an allenthalben zu spüren, und so ist es bis heute geblieben.

Dazu trug stets und trägt nach wie vor in besonderer Weise die Zusammenarbeit und die Atmosphäre im Kollegium bei, die immer schon ebenso von Hilfs- und Kooperationsbereitschaft wie von Vertrauen, Offenheit und gegenseitiger Achtung und Wertschätzung geprägt war.

Ich habe das in all den vielen Jahren - nicht nur als Schulleiter - stets als sehr wohltuend empfunden und auch als wichtige Voraussetzung für eine gedeihliche Unterrichts- und Erziehungsarbeit und darf mich dafür an dieser Stelle ganz herzlich bei allen Kolleginnen und Kollegen bedanken, sowohl bei den ehemaligen, die ja unserer Schule in großer Zahl nach wie vor treu verbunden sind, als auch bei den "aktuellen", von denen mich zu verabschieden in diesen Tagen mir schon etwas schwerfällt.

Die vertrauensvolle Kooperation aller am Erziehungs- und Bildungsprozess Beteiligten ist für die gemeinsame fruchtbare Arbeit in Unterricht und Erziehung unverzichtbar, wenn es gelingen soll, die bereits genannten pädagogischen Zielvorstellungen und darüber hinaus viele weitere wichtige in die Tat umzusetzen. Auf der Grundlage des auch in der Vergangenheit schon mehrfach angesprochenen Artikels 131 haben dabei Bildungsziele wie die Achtung vor der Würde des Menschen, Verantwortungsgefühl und Verantwortungsfreudigkeit, die Bereitschaft zum friedlichen Zusammenleben und zu gewaltfreier Konfliktlösung, der Respekt vor und die Offenheit für Wertvorstellungen von Angehörigen verschiedener Nationalitäten, Religionen und Kulturen sowie das Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt nichts von ihrer Bedeutung und von ihrer Aktualität eingebüßt, wie sich jeden Tag aufs Neue zeigt. Nicht zuletzt deshalb hat sich unsere Schule ja schon vor vielen Jahren auch der Idee eines "respektvollen und verantwortungsbewussten Miteinander" verschrieben, die wir seither tagtäglich bewusster, als es auch zu- vor schon der Fall war, bei unserer Unterrichts- und Erziehungsarbeit zu verwirklichen versuchen, wenn es manchmal auch nicht ganz einfach ist.

Allerdings galt und gilt diese Idee nicht nur für das Miteinander in den Klassen und im Kollegium, sondern für vieles mehr. So war etwa die Zusammenarbeit mit dem Haus- und Verwaltungspersonal in all den Jahren stets nachhaltig vom Gedanken dieses vertrauensvollen und respektvollen Miteinander geprägt, was sich äußerst positiv nicht nur im Hinblick auf eine reibungslose Bewältigung des Schulalltags ausgewirkt hat, sondern auch auf die Atmosphäre im Schulhaus, die auch von Besuchern von außen stets als gut und wohltuend empfunden wurde und wird. Ich bin sehr froh und dankbar, dass diese vertrauensvolle Zusammenarbeit mit unserem Hausmeisterehepaar und den guten Geistern in unserem Sekretariat bestens funktioniert und nach wie vor zu den "Markenzeichen" unserer Schule gehört, was sich tagtäglich in unzähligen Situationen stets aufs Neue beweist.

Der Bedarf an einer umfassenden Betreuung für unsere Grund- und Mittelschüler ist insbesondere in den letzten zehn bis zwölf Jahren sprunghaft angestiegen. Wir sind sehr erfreut darüber, dass unsere Kinder nicht nur in den benachbarten Kindertagesstätten, sondern gewissermaßen "gleich nebenan" in besten Händen sind - dem für unsere Grundschülerinnen und Grundschüler verantwortlichen Betreuungsteam im benachbarten Jugendhaus sei hier ebenso herzlich für das großartige Engagement gedankt, das wir seit vielen Jahren erleben dürfen, wie den vielen - zum Teil ehrenamtlichen - Betreuerinnen und Betreuern in unserer sog. offenen Ganztagsschule!

Seit Jahrzehnten werden vor allem unsere Mittelschüler in den oberen Klassen sowohl des Regelbereichs als auch des Mittlere-Reife-Zuges gezielt auf die Arbeits- und Wirtschaftswelt vorbereitet. Die Hinführung dorthin kann aber nicht der Unterricht alleine leisten, sie muss ergänzt werden durch vielfältige praktische Erfahrungen und die Möglichkeiten zur realen Begegnung - dass all dies möglich und umzusetzen ist, verdankt die Schule vielen Kooperationspartnern aus der Wirtschaft, der stets vertrauensvollen Zusammenarbeit mit der Berufsberatung und an erster Stelle der äußerst engagierten Schulsozialarbeit, die stets weit über die sogenannte "vertiefte Berufsorientierung" der Schüler m unseren Abschlussklassen hinausging, wofür besonders gedankt sei!

Seit vielen Jahren ist die Versorgungssituation unserer Schülerinnen und Schüler in den Abschlussklassen mehr als unbefriedigend, obwohl von Seiten der Schule alle erdenklichen Anstrengungen unternommen werden, vor allem der misslichen Lage auf dem Lehrstellen- markt entgegenzuwirken. Wir haben uns dadurch aber nie entmutigen lassen und freuen uns, dass wir bei unseren intensiven Bemühungen um die Zukunft unserer Schulabgänger auch "von außen" unterstützt werden - seit nunmehr auch schon wieder einiger Zeit von unseren Berufseinstiegsbegleiterinnen, seit vielen, vielen Jahren durch die Lechhauser Wirtschaft, seit Langem aber vor allem durch die kontinuierliche effektive Arbeit innerhalb der Fachbasis Lechhausen, deren Engagement besonders betont werden muss, und zwar nicht nur in dem Bereich, in dem es um die berufliche Zukunft unserer Schülerinnen und Schüler geht. Dass dieses Gremium in Lechhausen eigentlich unverzichtbar ist, habe ich bereits als Konrektor intensiv miterlebt, noch verstärkt allerdings in den vielen Jahren, in denen ich Gelegenheit hatte, die Arbeit der Fachbasis auch als Vorstandsmitglied mitzugestalten.

Trotz aller intensiven "internen" Bemühungen um ein friedliches Miteinander an unserer Schule war ich stets sehr froh, dass wir vor allem im Bereich der Prävention von zahllosen Institutionen außerschulisch in vielfältiger Weise zuverlässig unterstützt wurden und werden, ob von der "Brücke", der Augsburger Drogenhilfe, dem Allgemeinen Sozialdienst, "Koki", der Kriminalpolizei oder auch ganz speziell der Lechhauser Polizei, wofür ich ausdrücklich Dank sagen möchte.

Die beste Gewaltprävention besteht natürlich darin, dafür zu sorgen, dass unsere Kinder und Jugendlichen erst gar nicht auf "dumme Gedanken" kommen - darum freue ich mich besonders, dass es gelungen ist, gerade auch in meinem letzten Dienstjahr durch eine gemeinsame Initiative des Lehrstuhls für Sportdidaktik der Universität Augsburg, der Lechhauser Schulen und des Bildungsreferats dem mittlerweile an chronischer Finanzknappheit leidenden Sport-Sozial- Projekt Lechhausen "unter die Arme greifen" zu können, damit die dort seit nunmehr über 15 Jahre geleistete segensreiche Arbeit zum Wohle unserer Viert- bis Neuntklässler weiterhin fortgesetzt werden kann.

Dass Sprache nicht nur der Schlüssel zum schulischen Erfolg ist, sondern auch zur heute so eminent wichtigen Integration, ist hinreichend bekannt. Ich freue mich daher sehr, dass wir Jahr für Jahr einen großen Teil unserer zukünftigen Erstklässlerinnen und Erstklässler mit so genanntem Migrationshintergrund in unseren Vorkursen sprachlich gezielt fördern können. Die vertrauensvolle Zusammenarbeit insbesondere mit den umliegenden Kindertagesstätten spielt dabei eine immer größer werdende Rolle, da die Schule allein bei dieser wichtigen Aufgabe überfordert wäre. Und für eine weitere Begleitung dieser Kinder nach dem Schuleintritt stehen unsere hochengagierten Stadtteilmütter zur Verfügung, wofür ebenfalls besonders gedankt sei.

Im bereits wiederholt erwähnten Artikel 131 aus der Bayerischen Verfassung heißt es im Absatz 2 unter anderem: "Oberste Bildungsziele sind Ehrfurcht vor Gott" und "Achtung vor religiöser Überzeugung". An einer Schule, wo Kinder mit ganz unterschiedlichen religiösen Bekenntnissen zusammen in den Klassen sitzen, ist es da besonders wichtig, auch mit den diversen Religionsgemeinschaften, die ja speziell im Lechhauser Raum stark vertreten sind, den Kontakt zu pflegen und vertrauensvoll zusammenzuarbeiten. Bei verschiedensten Anlässen hat sich immer wieder gezeigt, dass diese Zusammenarbeit nicht nur klappt, sondern auch eine Bereicherung bedeutet, wenn man offen aufeinander zu- und vertrauensvoll miteinander umgeht.
Die Liste der Partner, mit denen ich vor allem als Schulleiter zusammenarbeiten durfte, ist jetzt schon ganz schön lang geraten, aber noch keineswegs vollständig. Dass an der Schillerschule Unterricht und Erziehungsarbeit schon immer m hoher Qualität geleistet wurde, war mir von Anfang an bewusst, und das ist auch heute noch so. Ohne die entsprechenden personellen, ausstattungsmäßigen, organisatorischen und räumlichen Voraussetzungen wäre qualifizierte Erziehungs- und Bildungsarbeit aber nur eingeschränkt möglich. Daher möchte ich mich vor allem beim Staatlichen Schulamt in der Stadt Augsburg ausdrücklich dafür bedanken, dass nicht nur in den Zeiten, als die Schillerschule Modellhauptschule war, "ausgesuchtes Personal" zur Verfügung stand. Ich weiß es sehr zu schätzen, dass die Bemühungen des Schulamtes immer in diese Richtung gingen und sicher auch in Zukunft gehen werden - dafür gilt mein Dank allen Schulräten, Schulamtsdirektoren, und überhaupt allen Vertreterinnen und Vertretern des Staatlichen Schulamts, mit denen ich in all den langen Jahren in der Schulleitung zusammenarbeiten durfte - stets zum Wohl der Schule!

Aber auch die Schulverwaltung muss an dieser Stelle erwähnt werden. Sie stand - auch in Zeiten knapper Kassen - stets an der Seite der Schillerschule, und nicht nur damals, als in einer großen gemeinschaftlichen Kraftanstrengung endlich das Schadstoffproblem in unserem Neubau gelöst werden konnte. Dafür - und für vieles andere - darf ich im Namen der ganzen Schulfamilie an dieser Stelle meinen herzlichen Dank aussprechen, der sowohl den Mitarbeitern des Schulverwaltungsamts gilt als auch der Führungsebene des Bildungsreferats, wo zu jeder Zeit äußerst kompetente Ansprechpartner ein offenes Ohr für unsere Sorgen und Anliegen hatten und immer noch haben.

Das Schulverwaltungsamt und das Bildungsreferat haben sich stets für unsere Belange eingesetzt, z.B. dafür, dass es rechtzeitig zur Hundertjahrfeier der Schillerschule gelang, unser Schillerdenkmal zu restaurieren. Als "Meilenstein" insbesondere der letzten Jahre seien aber auch genannt die Sanierung von Decke und Boden in unserer Turnhalle, die Erneuerung unserer lange Jahre maroden Laufbahn auf dem Sportplatz oder brandaktuell in diesem Schuljahr die Sanierung zweier besonders renovierungsbedürftiger Toiletten und vor allem auch der Dächer von Neubau und Turnhalle. Dass bei vielen dieser Vorhaben sich im Vorfeld auch immer der Elternbeirat der Schillerschule engagiert eingebracht hat, muss an dieser Stelle besonders betont werden. In all den Jahren, auf die ich heute zurückblicke, war es Elternbeiräten in unterschiedlicher Zusammensetzung stets ein Anliegen, die schulischen Rahmenbedingungen für unsere Schülerinnen und Schüler verbessern zu helfen. Dass es z. B. nach vielen Anläufen vor einigen Jahren gelungen ist, unseren Grundschulhof so kindgerecht zu gestalten, wie wir uns das schon immer gewünscht hatten, dazu hat unser Elternbeirat ebenso maßgeblich beigetragen wie zu einer sinnvollen Fahrplan- und auch Fahrkosten(!)regelung für unsere "Buskinder" , um nur einige Beispiele herauszugreifen.

An dieser Stelle sei aber auch ausdrücklich den zahllosen Mitgliedern unserer Elternschaft gedankt, die auch ohne ein "offizielles Amt" stets ein offenes Ohr für die Anliegen der Schule hatten und sich in vielfältiger Weise für das Wohl unserer Kinder eingesetzt haben. Als Beispiel darf ich hier vor allem die "Begleitarbeiten" im Zusammenhang mit der "Neuplatzierung" unseres Schillerdenkmals nennen wie vor allem das nicht hoch genug einzuschätzende Engagement vieler unserer Eltern für das "gesunde Pausenbrot", das nun schon seit Jahren regelmäßig angeboten wird und das aus dem Schulleben der Schillerschule nicht mehr wegzudenken ist.

Last not least möchte ich nun aber auch ganz besonders das Miteinander mit den Schülerinnen und Schülern betonen - und dabei denke ich nicht nur an die zahllosen Klassen, die ich im Laufe der Jahrzehnte betreuen durfte und die die Schule schon längst verlassen haben - dass immer wieder Ehemalige jetzt schon fortgeschrittenen Alters kommen und nach Listen "von damals" fragen, ist ein Beweis dafür, dass die Jahre an der Schillerschule deutlich positive Spuren hinterlassen haben und nach wie vor enge Bindungen bestehen - auch ganz persönliche. Immerhin habe ich in meinen 42 Dienstjahren Generationen von Schülerinnen und Schülern auf ihrem "Weg ins Leben" begleiten dürfen, davon 30 Jahre lang als Klassleiter vornehmlich in den oberen Klassen der Hauptschule. Die unmittelbare Unterrichts- und Erziehungsarbeit hat mir immer Spaß gemacht und viel Freude bereitet, auch in den 15 Jahren als Konrektor und in den letzten zwölf Jahren während meiner Tätigkeit als Schulleiter. Trotz der vielfältigen Aufgaben in diesen Positionen kam es mir nie in den Sinn zu sagen oder auch nur zu denken: "Und jetzt kommt mir wieder Unterricht dazwischen!", wie ein Schulleiterkollege einmal scherzhaft formuliert hat.

Als im Jahre 1908 die Schillerschule (damals noch in der Blücherstraße) eingeweiht wurde, äußerte der damalige Lechhauser Bürgermeister Seiderer in sei- ner Eröffnungsrede den Wunsch, dass aus dem neuen Haus "lauter tüchtige, treue Staatsuntertanen hervorgehen möchten". Heute würde man sicher andere Schwerpunkte setzen. Ich darf zum letzten Male aus dem Artikel 131 der Bayerischen Verfassung zitieren: "Die Schüler sind im Geiste der Demokratie, in der Liebe zur bayerischen Heimat und zum deutschen Volk und im Sinne der Völkerversöhnung zu erziehen."

An der Schillerschule wurde dieser Forderung der Bayerischen Verfassung in vielfältiger Form stets in ganz besonderem Maße Rechnung getragen, was ich immer für sehr wichtig erachtet habe. Gerade angesichts mit beängstigender Regelmäßigkeit zu Tage tretender beunruhigender Tendenzen ist es dringend notwendig, besonderes Augenmerk sowohl auf eine bewusste Demokratieerziehung zu legen als auch gerade vor dem Hintergrund der "multikulturellen" Zusammensetzung unserer Klassen der Erziehung zu gegenseitigem Respekt und gegenseitiger Achtung einen hohen Stellenwert einzuräumen. Dass diese Zielsetzung nicht nur nie aus dem Auge verloren wurde, sondern ihre Realisierung meist auch in beeindruckender Weise gelang und auch tagtäglich gelingt, ist in erster Linie auf das großartige Engagement unserer Lehrkräfte zurückzuführen, wofür ich mich ganz besonders bedanken möchte.

Mit diesem Engagement, das ich während der gesamten 41 Jahre an der Schillerschule in vielfältigster Weise erleben durfte, war es auch immer möglich, sich mutig, beherzt und optimistisch allen Herausforderungen zu stellen, ihnen erfolgreich zu begegnen und sie schließlich zu meistern, in welcher Form und Ausprägung auch immer sie im Laufe der Zeit an uns herantraten.

Heute sehen wir uns vor allem mit Problemen konfrontiert, die mit tiefgreifenden sozialen und gesellschaftlichen Umwälzungen ebenso zu tun haben wie mit dem nicht zu übersehenden Wertewandel. Dazu kommt, dass - bei allen Versuchen gegenzusteuern - Kinder und damit auch Lehrkräfte und Eltern sich zunehmend einem wachsenden Leistungsdruck ausgesetzt sehen, der - trotz gegenteiliger Beteuerungen - immer früher beginnt. Dieser Leistungsdruck, unter dem alle Beteiligten leiden, führt häufig dazu, dass Kinder von Versagensängsten geplagt werden, die sich oft auch in körperlichen Beschwerden äußern. Und es kann äußerst belastend sein, wenn sie sich vielleicht sogar schämen müssen, Schwäche zu zeigen, oder wenn eine nicht ganz so erfolgreich bewältigte Leistungserhebung oder gar der nicht gelungene Übertritt an die angestrebte weiterführende Schule zur großen Katastrophe wird.
Wenn das Kind dann nach der Grundschule "nur" auf die Mittelschule wechselt, gilt das vielfach als Makel, eine Einschätzung, die allerdings völlig unbegründet ist, wenn man sich z.B. vor Augen führt, welche bemerkenswerten Leistungen unsere Schülerinnen und Schüler auch in diesem Schuljahr wieder beim QA und vor allem auch beim Mittleren Abschluss erbracht haben. Daneben zeigen unsere Mittelschülerinnen und -schüler in verschiedener Form und Ausprägung immer wieder eindrucksvoll, dass Schule mehr ist als das ständige Einfordern und Erbringen von Leistung im herkömmlichen Sinne - zahlreiche aktuelle Beispiele aus diesem und vornehmlich auch aus dem vergangenen Schuljahr belegen dies. Dass z. B. die renommierte Zeitschrift "chrismon" die Autorinnen und Autoren von "Heaven, Hell & Paradise", diesem besonderen Buch, mit dem unsere letztjährigen Neuntklässlerinnen und Neuntklässler bundesweit Furore gemacht haben, auch in diesem Schuljahr noch ein gutes Stück auf ihrem weiteren Lebensweg begleitet hat (siehe auch eigenen Artikel), ist ein Beweis für die Wertschätzung ihrer Leistung - aber auch des Engagements von Lehrerseite her.

Bei allen wirtschaftlichen, sozialen und gesellschaftlichen Veränderungen und Umwälzungen, die ihrerseits immer auch Auswirkungen auf die Schule hatten und haben, gibt es allerdings eine Konstante: Im Mittelpunkt aller pädagogischen Bemühungen stand und steht immer die Sorge um das Wohl des Kindes, und das nicht nur, weil Kinder unsere Zukunft sind. Auf dem Weg in diese Zukunft, von deren Gestaltung Kinder übrigens oft ganz konkrete Vorstellungen haben, die zu den rein utilitaristischen Überlegungen mancher Erwachsener so gar nicht recht passen wollen, dürfen sie aber nicht alleine gelassen werden.

Weil es einfach so gut passt, würde ich zum Schluss gerne noch einmal den bekannten Fernsehjournalisten und Moderator Günther Jauch zitieren, der in einer Talkrunde vor einigen Jahren einmal den bemerkenswerten Satz geprägt hat: "Die Entwicklung zum Guten muss begleitet werden." Dieser weisen Erkenntnis ist eigentlich nichts hinzuzufügen!

Anstatt zweifellos nicht wegzudiskutierende beunruhigende Entwicklungen immer nur zu beklagen, wäre es wichtig, dass Eltern, Gesellschaft, Politik und letztlich auch die Schule unverdrossen versuchen, diesen Satz mit Leben zu erfüllen - dann ist mir für unser aller Zukunft und natürlich vor allem für die unserer Kinder und auch unserer Schule nicht bange.

Wenn ich jetzt nach 42 Dienstjahren in den Ruhestand trete, gehen mir viele Gedanken durch den Kopf. Im unerschöpflichen Zitatenschatz des Namenspatrons unserer Schule, Friedrich Schiller, habe ich einen Ausspruch entdeckt, der gut zu meiner Gemütslage in diesen letzten Tagen meiner aktiven Dienstzeit passt: "Der Abschied von einer langen und wichtigen Arbeit ist immer mehr traurig als erfreulich."

Wenn auch im Moment die Wehmut überwiegt - was man mir nach 41 Jahren an der Augsburger Schillerschule nachsehen möge -, so bin ich mir doch sicher, dass ich dem jetzt bevorstehenden Einschnitt durchaus auch die zweifellos damit einhergehenden erfreulichen Seiten abgewinnen kann, wenn die notwendige tägliche Pflichterfüllung, verbunden mit der Bewältigung der großen Fülle der zu erledigenden Aufgaben, nun nicht mehr das beherrschende Element im Alltag und auch im Leben sein wird.
Und nochmals darf ich Friedrich Schiller zitieren: "Wer etwas Großes leisten will, muss tief eindringen, scharf unterscheiden, vielseitig verbinden und standhaft beharren."

Ich habe mich immer bemüht, bei meiner Arbeit während der gesamten Dienstzeit sowohl im fachlichen als auch im zwischenmenschlichen Bereich diesen wohlüberlegten Forderungen gerecht zu werden, wenn ich auch zugegebenermaßen dieses Zitat erst kürzlich entdeckt habe. Ob dies gelungen ist, müssen andere beurteilen. Meinem Nachfolger oder meiner Nachfolgerin - wer immer auch die Nachfolge antreten wird - wünsche ich, dass es ihm oder ihr glücken möge, diesem Schillerschen Anspruch zu genügen.

Jetzt bleibt mir nur noch, nochmals allen Dank zu sagen, die mich in den letzten 41 Jahren begleitet und unterstützt haben, sowie der ganzen Schulfamilie der Schillerschule alles erdenklich Gute für die Zukunft zu wünschen.

G. Breunig

   
   
   
   
   
   
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