Editorial2006/2007

Kinder sind Zukunft

Vom 14. bis 21. April dieses Jahres stand das Fernsehprogramm der ARD ganz unter dem Motto "Kinder sind Zukunft". Angesichts der Tatsache, dass dies ja eigentlich eine Binsenweisheit ist, stellt sich die Frage, warum das Fernsehen eine ganze Woche fast ausschließlich diesem Thema widmet.

Vielleicht liegt es zum einen daran, dass die Zahl der Kinder in Deutschland in den letzten Jahrzehnten immer weiter zurückgegangen ist. Mit gerade mal 1,34 Kindern pro Frau hat Deutschland eine der niedrigsten Geburtenraten Europas. Der Rückgang der Kinderzahlen wird vor allem in den Schulen sichtbar und macht auch vor der Schillerschule nicht Halt, was sich im nächsten Schuljahr sowohl in der Grund- als auch in der Hauptschule zeigen wird.

Ein zweiter Grund dafür, dass dieses Thema gerade in diesem Jahr in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt ist, liegt sicher darin, dass es mit den außerfamiliären Betreuungsmöglichkeiten vor allem der Jüngsten bei uns wesentlich schlechter bestellt ist als anderswo in Europa.

Und so besteht zwischen beiden Aspekten sicherlich auch ein Zusammenhang. "Solange es keine verlässliche Ganztagsbetreuung gibt, wird sich an der Geburtenarmut in Deutschland nichts ändern", meint etwa die Familienexpertin Rüling.

Vielleicht sind die fehlenden Betreuungsmöglichkeiten ja auch ein Grund dafür, dass vor dem Hintergrund tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen die Probleme mit Kindern immer mehr zunehmen.

Deutlich wird dies auch und vor allem in der Schule, wo die Zahl verhaltensauffälliger und dringend förder- und betreuungsbedürftiger Kinder gegenüber früher aus verschiedenerlei Gründen erheblich angewachsen ist.

Dabei ist insbesondere ein zunehmender Mangel an sprachlicher und sozialer Kompetenz zu konstatieren, was wiederum bei unseren Schulabgängern häufig dazu führt, dass sie in der Konkurrenzsituation auf dem Lehrstellenmarkt immer noch mit teilweise unüberwindlichen Schwierigkeiten konfrontiert werden, wenn sich in diesem Bereich auch eine leichte Entspannung abzeichnet.

Gerade an unserer Schule werden aber erhebliche Anstrengungen unternommen, um den angesprochenen Problemen wirksam begegnen zu können.

  • Beginnen wir mit den Kleinen, zunächst mit denen, die noch gar keine Schulkinder sind: In einem ganzjährigen "Vorkurs" wurde ein Teil unserer zukünftigen ABC-Schützen in enger Zusammenarbeit zwischen Kindergarten und Schule ganz gezielt im Gebrauch der deutschen Sprache "fitgemacht". Dass diese Maßnahme höchst erfolgreich sein kann, bewiesen diejenigen unserer diesjährigen Erstklässlerinnen und Erstklässler, die im vorigen Jahr bereits eine ähnliche Förderung erfahren haben.
  • Weil es so wichtig ist, sei es auch in diesem Jahr wieder einmal betont: Ca. 100 Buben und Mädchen nützen täglich unsere vielfältigen Betreuungsangebote, sei es die Mittags- und Nachmittagsbetreuung für unsere Grundschüler , die offene Ganztagsschule für die Hauptschüler oder die Rundumbetreuung in den umliegenden Horten, und das zum Teil bei Bedarf auch in den Ferien - wir dürfen uns an dieser Stelle auch heuer wieder ganz herzlich bei allen Institutionen und vor allem bei den überaus engagierten Betreuerteams bedanken, die die Bemühungen der Schule bestens unterstützen und darüber hinaus ganz wertvolle Arbeit auch im außerschulischen Bereich leisten!
  • Besonders freuen wir uns darüber, dass es schon zu Beginn des Schuljahres gelungen ist, den ersten Bauabschnitt im Rahmen der kindgerechten Umgestaltung unseres Grundschul-Pausehofs zu verwirklichen. Seit 9. November stehen unseren Kindern jetzt eine Balancieranlage und ein Kletterturm zur Verfügung. Beide Spielgeräte werden rege genutzt, womit wir den Idealen einer "bewegten Schule" wieder ein Stück näher gekommen sind.
  • Bewegung ist das eine, eine gesunde und ausgewogene Ernährung das andere. Beides ist wichtig für die Gesundheit unserer Kinder. Daher sind wir unserer Elternschaft sehr dankbar, dass auch in diesem Schuljahr wieder regelmäßig das "gesunde Pausenbrot" angeboten werden konnte.
  • Die nach wie vor angespannte Situation auf dem Lehrstellenmarkt hielt uns auch in diesem Schuljahr in Atem. Umso wichtiger war es, dass der "Arbeitskreis Schülerzukunft" innerhalb der Fachbasis Lechhausen neue Ideen entwickelt hat und es zu einer Intensivierung der Kontakte zur Wirtschaft kam, die über die Begegnung beim alljährlichen Berufsinfomarkt hinausgehen. Für das kommende Schuljahr ist an eine deutliche Ausweitung der bisher schon sehr fruchtbaren Zusammenarbeit gedacht.
  • Dass bei diesen Bemühungen die Schulsozialarbeit eine ganz wichtige Rolle spielt, ist unbestritten. Umso mehr freuen wir uns und sind sehr dankbar dafür, dass uns viele Augsburger Unternehmen in großzügiger Weise finanziell unterstützt haben, um die Stelle von Frau Schneider, unserer Schulsozialpädagogin, auch für die Zukunft sichern zu helfen (...). Nicht nur unter dem Gesichtspunkt der Berufsorientierung ist dies eine enorm wichtige Weichenstellung, gerade auch für die Zukunft unserer Kinder.
  • Manch einer wird angesichts des Ausmaßes der eingangs angesprochenen Probleme jetzt vielleicht einwenden, dass unsere Bemühungen doch letztlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein können.

Nun, im einen oder anderen Fall mag das durchaus zutreffen, was uns alle aber keinesfalls entmutigen sollte, nicht entmutigen darf und auch gar nicht entmutigen kann.

Denn gerade auch wieder in diesem Schuljahr gab es genug ermutigende Beispiele, die zeigen, dass unsere Kinder, denen die Zukunft gehört, gewillt sind, diese ihre Zukunft in die Hand zu nehmen und dafür auch Verantwortung zu übernehmen.

Einige Beispiele dafür möchte ich anführen:

  • An Allerheiligen gelang es wiederum wie schon in den Vorjahren, unsere Schülerinnen und Schüler in den oberen Hauptschulklassen davon zu überzeugen, wie wichtig Friedensarbeit ist. Die Tatsache, dass unsere Sammlerinnen und Sammler für den Erhalt der Kriegsgräber in ganz Europa wieder eine erkleckliche Summe zusammengetragen haben, ist ein deutlicher Beweis dafür.
  • Dasselbe gilt für alle Klassen, die bei den Verkaufs- und Spendenaktionen für unsere Partnerschulen in der 3. Welt mitgewirkt haben. Die Dankesbriefe, die uns alljährlich erreichen, geben beredt Zeugnis davon, wie wichtig diese Aktionen sind und dass sehr wohl registriert wird, dass unsere Schüler Verantwortung übernehmen.
  • Verantwortung übernommen hat auch unser diesjähriger Schulsprecher David Habisov, der nicht zuletzt wegen des Einsatzes der Schülermitverwaltung der Schiller-VS für den Erhalt der Schulsozialarbeit in diesem Schuljahr zum ersten Gesamtschülersprecher in der Stadt Augsburg gewählt wurde. Ein sichtbares Zeichen für diesen Einsatz war der dritte Platz beim .Preis Aufstehen!" der Bürgerstiftung Augsburg, womit Schülerinnen und Schüler der Schillerschule zum zweiten Mal hintereinander zu den Preisträgern gehörten!
  • Zwei besonders beeindruckenden Beispielen für den „Weitblick" unserer Schüler begegneten wir gegen Ende des Schuljahres. Beim diesjährigen QA im Fach Deutsch war bei der Textarbeit u. a. eine Aufgabe zu bearbeiten, in der es hieß:<br/ „Beschreibe einen Traum, für den es sich Deiner Meinung nach lohnt zu kämpfen“
    Ein Neuntklässler stellte dazu folgende bemerkenswerte Überlegungen an:
    " ... Für mich ganz besonders würde es sich lohnen, sich für den Frieden in der Welt einzusetzen, damit die Menschen miteinander ohne Angst leben können. Wenn sich alle bemühen würden, dann wäre dieser Traum von einer Welt, in der es keine Kriege gibt, machbar .... "
  • Und dann hatte noch Markus Schmid aus der Klasse 9dM bei seiner China-Reise im Juli die Gelegenheit, beim Internationalen Kinderfestival in Jinan Gleichaltrigen aus aller Welt zu begegnen, was ihn offenbar tief beeindruckt hat. Seine bemerkenswerten Überlegungen zu Mitmenschlichkeit, Toleranz und zum friedlichen Miteinander sind in einem eigenen Beitrag nachzulesen.

Angesichts dieser - wie gesagt - ermutigenden Beispiele wird deutlich, dass Kinder wirklich Zukunft sind und dass uns angesichts solcher Kinder auch vor der Zukunft nicht bange zu sein braucht. Wichtig aber ist es schon, dass unsere Kinder auf dem Weg in die Zukunft nicht alleine gelassen werden - und da darf ich den bekannten Fernsehjournalisten und Moderator Günther Jauch zitieren, der in Maybrit Illners Talkrunde zum Thema "Prügeln, schwänzen, randalieren - wie schwierig ist Erziehung heute?" am 28. Juni dieses Jahres Folgendes gesagt hat: "Die Entwicklung zum Guten muss begleitet werden." Dieser weisen Erkenntnis ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

Anstatt zweifellos nicht wegzudiskutierende beunruhigende Entwicklungen immer nur zu beklagen, sollten Eltern, Gesellschaft, Politik und letztlich auch Schule unverdrossen versuchen, diesen Satz Tag für Tag mit Leben zu erfüllen - dann ist mir für unser aller Zukunft - und natürlich vor allem für die unserer Kinder nicht bange!

Am Ende dieser Überlegungen sei jetzt aber erst einmal an die ganz nahe Zukunft gedacht:

Verbunden mit einem herzlichen Dank für die auch in diesem Schuljahr wieder geleistete erfolgreiche Arbeit der ganzen Schulfamilie darf ich allen Schüler innen und Schülern, allen Lehrkräften, dem Verwaltungs- und Hauspersonal sowie der Elternschaft erholsame, geruhsame und erlebnisreiche Sommerferien wünschen, in denen die Akkus wieder aufgetankt werden, damit wir alle gemeinsam im September mit Elan, Schwung und Optimismus ins neue Schuljahr starten können.

G. Breunig

   
   
   
   
   
   
   
© 2012 Schillerschule Augsburg-Lechhausen Alle Rechte vorbehalten.