Editorial2004/2005

Schule für die Zukunft

Wir alle erinnern uns noch gut daran: Im Dezember 2001 stellten die Ergebnisse der sog. PISA-Studie dem deutschen Bildungswesen ein vernichtendes Zeugnis aus. Vor allem wurde ein Mangel an Grundkompetenzen konstatiert, die für die aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben und am Wirtschaftsprozess für unerlässlich gehalten werden und die Grundlage dafür darstellen, ein Leben lang in eigener Verantwortung weiter lernen zu können.

Obgleich die PISA-Studie dem bayerischen Bildungssystem im internen Bundes-ländervergleich noch ein relativ gutes Zeugnis ausstellt, geriet auch die hiesige Bildungslandschaft doch in allen Bereichen und auf allen Ebenen gehörig in Bewegung. Zahlreiche Konsequenzen waren die Folge, die vor allem seit Beginn dieses Schuljahres sowohl im Grund- als auch im Hauptschulbereich deutlich sichtbar werden, rein äußerlich schon darin, dass im Zuge umfangreicher Reformen unsere Erst- und Zweitklässler zum Schuljahresende völlig neu gestaltete Zeugnisse erhalten und dass für unsere Hauptschüler ein neuer Lehrplan in Kraft trat.

Ziel aller Reformbemühungen ist es, sowohl die kognitive als auch die soziale Kompetenz unserer Schülerinnen und Schüler zu stärken, Defizite frühzeitig zu erkennen und wirksame und gezielte Fördermaßnahmen zu ergreifen. Im Mittelpunkt steht dabei natürlich die tagtägliche Unterrichts- und Erziehungsarbeit in Grund - und Hauptschule.

Um die angestrebten anspruchsvollen Ziele zu erreichen, ist es jedoch damit allein nicht getan. Und so unternimmt unsere Schule - übrigens nicht erst seit die Ergebnisse der PISA-Studie bekannt sind - eine Fülle von zusätzlichen Anstrengungen, die zum großen Teil schon seit vielen Jahren selbstverständlich in unsere Unterrichts- und Erziehungsarbeit integriert sind. Zusätzlich dazu kommen einige neuere Ansätze, die seit Beginn dieses Schuljahres erprobt werden.

Eine zentrale Aufgabe einer Schule, die viele Kinder mit Migrationshintergrund beherbergt, ist die intensive Sprachförderung, die natürlich möglichst früh beginnen soll. Dabei soll uns ein Forschungsprojekt der Universität Augsburg, das unter Federführung von Frau Prof. Dr. Leonie Herwartz - Emden durchgeführt wird, bei unseren gezielten Bemühungen im Bereich der Grundschule unterstützen.

Nach wie vor kommen aber auch Schülerinnen und Schüler mit erheblichen sprachlichen Defiziten nach ihrer Einreise in die BRD direkt in unsere Hauptschulklassen, wo sie trotz vielfacher Anstrengungen Mühe haben, dem Unterricht zu folgen. Seit Jahren schon gibt es daher neben dem Deutsch-Förderunterricht für unsere Grundschüler auch die intensive sprachliche Förderung für Schüler der Hauptschule. In diesem Schuljahr ist es nun gelungen, über das "normale Förderkontingent" hinaus in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für deutsche Philologie unter besonderer Berücksichtigung der Didaktik  des Deutschen als Zweit- und Fremdsprache Studentinnen zu gewinnen, die die Muttersprache vieler unserer Schülerinnen und Schüler mit sprachlichem Förderbedarf sprechen. Sie begleiten zum einen regelmäßig den Deutschunterricht in verschiedenen Klassen und erteilen darüber hinaus zum anderen individuellen Deutsch-Förderunterricht - mit beachtlichem Erfolg, was sich an einer sichtbaren Leistungssteigerung unserer Schülerinnen und Schüler nicht nur im sprachlichen Bereich deutlich ablesen lässt.

In diesem Zusammenhang sei an dieser Stelle ausdrücklich Frau Dr. Fetscher und ihren Studentinnen für die hervorragende engagierte und vertrauensvolle
Zusammenarbeit gedankt!

Einen wichtigen Stellenwert nimmt seit vielen Jahren die Zusammenarbeit mit und die Arbeit innerhalb der Fachbasis Lechhausen ein. In zahlreichen Arbeitskreisen sind Mitglieder unseres Kollegiums vertreten.

So geht es im AK Sprachförderung u. a. um die Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen Kindergarten und Grundschule und um die Optimierung unserer Förderbemühungen auf sprachlichem Gebiet überhaupt.

Der AK "Schülerzukunft" beschäftigt sich vor allem intensiv mit den Problemen unserer Schulabgänger, gestaltet sich doch die Ausbildungsplatzsuche in den letzten Jahren zunehmend schwieriger.

Schließlich hat es sich der AK Prävention zur Aufgabe gemacht, durch vielfache Maßnahmen und Aktivitäten dafür zu sorgen, dass das Thema "Gewalt in der Schule" bei uns höchstens am Rande eine Rolle spielen kann.

Apropos Gewaltprävention - wie in allen Bereichen gilt auch hier: "Wehret den Anfängen!" Daher ist es erfreulich, dass neben den zahlreichen obligatorischen Bemühungen im Bereich der Grundschule in diesem Schuljahr zwei neue ambitionierte Vorhaben in Angriff genommen wurden:

Die Klassen 4 a und 4 b beteiligten sich am Friedensprojekt "Kann ohne Kanone" (...) und die Klassen 2 a und 4 b stiegen als Vorreiter in das sog. "Faustlos" -Projekt ein, das im kommenden Schuljahr auf alle Grundschulklassen ausgedehnt werden soll.

Zurück zur PISA-Studie: Als eine Schlüsselqualifikation schlechthin gilt die Lesekompetenz, deren Förderung uns allen besonders am Herzen liegen muss. In diesem Zusammenhang ist es überaus erfreulich, dass wir - mit tatkräftiger finanzieller Unterstützung durch die Stadt Augsburg - den Bücherbestand in unserer Schülerbücherei kräftig aufstocken konnten. Jetzt muss das vielfältige Angebot nur noch genutzt werden. Über die mannigfaltigen Anstrengungen zur "Steigerung der Leselust" haben Sie Gelegenheit, sich an anderer Stelle in unserem Jahresbericht zu informieren.

Seit Jahren hat sich unsere Schule dem Gedanken eines respektvollen und verantwortungsbewussten Miteinander verschrieben. Das Bemühen um dieses Miteinander betrifft aber nicht nur den „innerschulischen Bereich" und den alltäglichen Schulbetrieb, der "Miteinander-Gedanke" geht weit darüber hinaus. Deutlich wurde dies in diesem Schuljahr vor allem anlässlich eines besonders tragischen Ereignisses: Das verheerende Seebeben im Indischen Ozean löste auch an unserer Schule eine Welle des Mitgefühls und der Solidarität aus. Einige Klassen entschlossen sich spontan, ihren Anteil am Ertrag unserer alljährlichen Verkaufs- und Spendenaktion für Kinder in der Dritten Welt den Tsunami - Opfern zukommen zu lassen. Darüber hinaus entstand aus der tiefen Betroffenheit heraus, die bei Schülern und Lehrkräften sichtbar wurde, die Idee zu einem interreligiösen Gedenkgottesdienst, der zu einem eindrucksvollen Zeugnis der Verbundenheit und des interkulturellen weltumspannenden Miteinander wurde (...).

Wie wichtig der Beitrag der Schulsozialarbeit zur Förderung wichtiger Schlüsselqualifikationen und Grundkompetenzen vor allem bei den Schülern unserer Abschlussklassen ist, bedarf eigentlich kaum der besonderen Erwähnung. Diese Arbeit ist heute absolut unverzichtbar. Besonders die gezielte Berufswahlvorbereitung ist ohne die engagierte Begleitung durch die Schulsozialarbeit undenkbar, was auch in den Beiträgen über den Fähigkeitenparcours für unsere Achtklässler und über den traditionellen Berufsinfomarkt für unsere Neuntklässler deutlich wird. Wenn auch die Situation auf dem Lehrstellenmarkt nach wie vor völlig unbefriedigend ist, eröffnen sich doch für den Großteil unserer M-10-Absolventen durchaus erfreuliche Zukunftsperspektiven. Und auch etwas mehr Neuntklässler als im vorigen Jahr haben am Ende dieses Schuljahres bereits die feste Zusage für einen Ausbildungsplatz. Dies ist vor allem auch ein Verdienst der unermüdlichen Bemühungen unserer Schulsozialpädagogin, Frau Schneider, deren Arbeit nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Im Übrigen sollte an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass sich erstmals nach vielen Jahren der prozentuale Anteil der Neuntklässler wieder erhöht hat, die den qualifizierenden Abschluss erreicht haben, und dass - trotz hoher Hürden in den Abschlussprüfungen - fast alle Zehntklässler auf Anhieb die Mittlere Reife erworben haben - ein ermutigendes Zeichen und ein Beweis für die Qualität der geleisteten Arbeit!

Insgesamt lässt sich also auch am Ende dieses Schuljahres konstatieren, dass sich unsere Schule auf einem guten Weg befindet, um die zukünftigen Herausforderungen zu bestehen. Allerdings sei mir zum Schluss gestattet, auf drei wichtige Anliegen hinzuweisen:

  • Die Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus funktioniert in den meisten Fällen gut - an dieser Stelle sei vor allem unserem Elternbeirat für seine engagierte Arbeit gedankt - , im einen oder anderen Fall würden sich Schulleitung und Kollegium aber doch noch etwas mehr Unterstützung von Elternseite erhoffen, sind doch nicht nur nach dem Buchstaben des Bayerischen Erziehungs- und Unterrichtsgesetzes Schule und Elternhaus gemeinsam verantwortlich für die Erziehung der uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen.
  • Wie schon angedeutet, macht uns die nach wie vor unbefriedigende Versorgungssituation unserer Schulabgänger große Sorgen - die Schule leistet - wie deutlich wurde - in einem großen Kraftakt weit über den Unterricht hinaus das ihr Mögliche. Wünschenswert wäre aber auch, dass sowohl Wirtschaft als auch Politik in ihren Anstrengungen nicht nachlassen - wir können und dürfen es uns nicht leisten, unsere Hauptschulabsolventen in eine Zukunft mit höchst unsicheren und vielfach ausgesprochen düsteren Perspektiven zu entlassen!
  • Mehrfach wurde es direkt oder indirekt schon erwähnt: Schulsozialarbeit ist heutzutage absolut unverzichtbar - sie aus finanziellen Erwägungen heraus zum Ende dieses Kalenderjahres wieder einmal (!) zu beenden, wäre nicht zu verantworten! Daher müssen von Seiten aller Verantwortlichen alle erdenklichen Anstrengungen unternommen werden, um die Fortsetzung einer Arbeit zu ermöglichen, deren Früchte nach einem Jahr schon deutlich sichtbar werden, die sich letztendlich aber nur langfristig wirklich nachhaltig positiv und segensreich auswirken kann!

Zum Abschluss gilt mein Dank nun allen, die trotz aufgrund verschiedener Umstände weiter angewachsener Belastungen unverdrossen erfolgreich bemüht waren und sind, unser "Schulschiff" auf dem richtigen Kurs zu halten. Ich darf allen Schülerinnen und Schülern, den Lehrkräften, dem Verwaltungs- und Hauspersonal sowie allen Eltern schöne und erholsame Ferien wünschen, in denen es gelingen möge, den "Akku" wieder so weit aufzuladen, um die Herausforderungen des nächsten Schuljahres mit frischem Mut, neuem Schwung und ungebrochenem Elan annehmen zu können.

G. Breunig

   
   
   
   
   
   
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