Editorial 1999/2000

Umbruch und Aufbruch Schule zu Beginn des 3. Jahrtausends

"Schule im Umbruch", - darum ging es im Leitartikel unseres Jahresberichtes 1998/99, und auch im Elternbrief vom November 1999 spielt diese Thematik eine zentrale Rolle. Dass sich unsere Schule im Umbruch befindet, wird in vielen Bereichen deutlich. Der neue Hauptschullehrplan von 1997 ist mittlerweile in der 9. Jahrgangsstufe angelangt mit der Folge, dass in diesem Schuljahr zum ersten Mal die besondere Leistungsfeststellung zum qualifizierenden Hauptschulabschluss in einer teilweise doch stark veränderten Form durchgeführt wurde. Ebenfalls steht ein neuer Grundschullehrplan vor der Tür, der in vielfältiger Weise bereits seine Schatten vorauswirft.

Mit der nun auch per Gesetz beschlossenen endgültigen flächendeckenden Einführung der sechsklassigen Realschule kommen auf Grund- und Hauptschule umfangreiche Änderungen zu, die einerseits u. a. in sehr differenzierten Bestimmungen zum Übertritt in weiterführende Schulen ihren Niederschlag finden, andererseits völlig neue schulische Perspektiven eröffnen, wenn man nur an den Mittlere-Reife-Zug an der Hauptschule denkt oder auch an sein "Pendant", die sog. .Praxisklassen". Dass übrigens M-Klassen bereits seit diesem Schuljahr an der Schiller schule bestehen und unsere Schule auch für die Zukunft als M-Standort vorgesehen ist, sei hier nur kurz erwähnt, da ein eigener Beitrag an anderer Stelle sich ausführlicher mit dieser Thematik befasst.

Seit September 1999 gibt es im Rahmen der sog. "kind- und familiengerechten" Halbtagsgrundschule für Kinder der Klassen 1 - 4 wieder eine Mittagsbetreuung in der Zeit von Unterrichtsende bis 13:00 Uhr. Von vielen Eltern wird dieser Zeitrahmen sicher nicht zu Unrecht als zu kurz empfunden, weshalb daran gedacht ist, das Betreuungsangebot in Zukunft zeitlich auszuweiten, eventuell auch mit der Hausaufgabenhilfe zu verbinden und auch im organisatorischen Bereich einige Neuerungen einzuführen.

Der Umbruch im Bereich Schule ist also in vollem Gang, - wichtige Gesichtspunkte wie der verstärkte Computereinsatz in allen Jahrgangsstufen, die Schulsozialarbeit sowie die Kooperation zwischen Schule und Einrichtungen der Jugendhilfe seien hier nur am Rande erwähnt -, doch lediglich von "Umbruch" zu reden, ist fast zu wenig.

Im April 2000 fand in Augsburg ein vielbeachteter Kongress statt, der unter dem Namen .“Schulinnovation 2000 - Schulen auf dem Weg" treffend die Situation charakterisierte, in der sich die Schule an der Schwelle zum 3. Jahrtausend befindet. Zentrales Thema dieses Kongresses war die sog. "innere Schulentwicklung ". Hinter diesem Begriff steht z. B. die Absicht, den einzelnen Schulen in vielfältiger Beziehung größere Gestaltungsfreiheiten zu eröffnen, ihnen die Möglichkeit zu geben, das je eigene Profil zu bilden, schulspezifische Schwerpunkte zu setzen und sich von innen heraus weiterzuentwickeln.

In einer kultusministeriellen Verlautbarung heißt es dazu: "Innere Schulentwicklung kann man nicht verordnen - jede Schule muss ihren eigenen, oft schwierigen Weg finden. Aber schon der Weg selbst hält so viele erfrischend neue Blickwinkel, so viele neue Erfahrungen bereit, dass sich der Aufbruch lohnt. "

Nicht nur von Umbruch, von Aufbruch also ist die Rede. Grundlage für diesen Aufbruch hin zur Entwicklung des eigenen Schulprofils sollen die sog. " 12 Augsburger Thesen zur inneren Schulentwicklung" sein, die sich auf die Erfahrungen stützen, die Schulen auf dem Weg dorthin schon gemacht haben. In diesen Thesen geht es z. B. an zentraler Stelle um die Steigerung der Unterrichtsqualität als Dreh- und Angelpunkt einer jeden guten Schule. Eng damit verbunden ist die Lehrerfortbildung, wobei an schulinterne, aber auch an regionale und überregionale Fortbildung gedacht ist. Dabei geht es insbesondere um die Erweiterung der Methodenkompetenz der Lehrkräfte, auch und vor allem angesichts der umwälzenden gesellschaftlichen Veränderungen in unserer Zeit. Wichtig ist die Stärkung des Schulforums, wo sich vornehmlich die Eltern z. B. in die Erarbeitung gemeinsamer Leitlinien für die Erziehung einbringen und von wo aus wichtige Impulse für das Schulleben von Schülerinnen, Schülern, Eltern und Lehrkräften gemeinsam ausgehen können, ebenso wie für ein Schulprogramm, in dem ein pädagogischer Konsens über gemeinsame Ziele, Wertvorstellungen und Grundsätze zum Ausdruck gebracht werden soll.

Teamarbeit innerhalb des Lehrerkollegiums wird dabei eine wichtige Rolle spielen, aber auch ein verändertes Rollenverständnis auf Seiten der Schüler, die ihre Verantwortung für die eigene Schule aktiv wahrnehmen und sich da-bei mehr und mehr an einem Gestaltungsprozess beteiligen sollen, der Schulleben und Unterricht gleichermaßen betrifft.

Finanzielle und damit zwangsläufig leider auch verbundene personelle Engpässe sowie starke gesellschaftliche Umwälzungen haben in den letzten Jahren zu eher erschwerten Rahmenbedingungen geführt, die die Verwirklichung schulischer Bildungsziele nicht gerade erleichtern. Trotzdem glaube ich, dass es durchaus reizvoll sein kann, sich den Herausforderungen zu stellen, die mit den Gedanken zur inneren Schulentwicklung verbunden sind, eröffnet sie doch die Chance, die Qualität von Schule weiter zu steigern und damit allen Beteiligten - Schülern, Lehrern und Eltern - das Gefühl zu geben, nach wie vor eine Arbeit zu tun, für die sich Anstrengung und Mühe lohnen. Dass an unserer Schule eigentlich alle diese Einschätzung teilen, dokumentiert nicht zuletzt eindrucksvoll dieser Jahresbericht, der die vielfältigen und vielfach großartigen, oft zusätzlichen Aktivitäten und das immense Engagement von Lehrkräften, Eltern und Schülern widerspiegelt, für das an dieser Stelle ganz ausdrücklich herzlicher Dank gesagt sei! 

Georg Breunig

   
   
   
   
   
   
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