Editorial1996/1997

Veränderungen in der Hauptschule

Das beherrschende Thema in diesem Schuljahr war ohne Zweifel die Ankündigung einer neuen Stundentafel und eines neuen Lehrplans für die Hauptschule. In einem ersten Schritt werden ab September 1997 die Jahrgangsstufen fünf und sieben von diesen Neuerungen betroffen, die Jahrgangsstufen sechs und acht folgen ein Jahr später und die neunten Klassen werden im Schuljahr 1999/2000 einbezogen. Ich möchte Sie auf den folgenden Seiten in knapper Form mit den wesentlichen Änderungen vertraut machen und auch ein bißchen die Hintergründe darlegen, die zu diesem Umstrukturierungsprozeß geführt haben.

1. Veränderungen im Fachangebot

  • Einige Sachfächer werden zu Fächerverbindungen gekoppelt. So gibt es künftig die naturwissenschaftliche Kombination "PCB" (Physik / Chemie / Biologie) und die gesellschaftswissenschaftliche Fächerverbindung "GSE" (Geschichte / Sozialkunde / Erdkunde). Für beide Kopplungen gilt der Grundsatz:
  • ein Fach, eine Lehrkraft, ein Buch, eine Note!
  • Das kombinierte Fach Werken/Textiles Gestalten besuchen Buben und Mädchen in der 5. und 6. Klasse.
  • Der differenzierte Sport wird drastisch eingeschränkt. Von hauptamtlichen Lehrkräften dürfen nur noch 50 % des bisherigen Stundenangebots übernommen werden, 20 % können von nebenamtlichen Lehrkräften oder Übungsleitern abgedeckt werden und 30 % werden ersatzlos gestrichen.
  • Musik wird in den Klassen 7 - 9 alternativ zu Kunsterziehung als Wahlpflichtfach angeboten.
  • Englisch wird künftig wieder für alle Hauptschüler zum Pflichtfach.
  • Der bisherige Block von sechs Fächern im Wahlpflichtbereich wird auf drei praktische Arbeitslehrefächer zusammengeschmolzen, und zwar auf einen gewerblich-technischen, einen kaufmännisch-bürotechnischen und einen hauswirtschaftlich-sozialen Bereich.
    In der siebten Jahrgangsstufe sind diese drei Fächer verpflichtend, denn nur durch Einblick in alle Bereiche läßt sich in den Jahrgangsstufen acht und neun eine gezielte Wahl nach Eignung und Interesse treffen.
    Entsprechend diesem Prozeß des langsamen Erkennens persönlicher Schwerpunktsetzung reduziert sich die Auswahlmöglichkeit in der 8. Klasse auf zwei und in der 9. Klasse auf ein Fach, wobei sich der Stundenumfang allmählich auf vier Stunden für das gewählte Fach in der 9. Klasse erhöht.

2. Gründe für die Änderungsmaßnahmen

  • Der bisherige Lehrplan wurde 1985 konzipiert und verabschiedet. Seit dieser Zeit hat sich auch unsere kleine Schulwelt deutlich verändert, neue Fächer rücken in den Vordergrund. Informatik und Textverarbeitung am PC tragen dem Trend und den Anforderungen der Wirtschaft an den Ausbildungsstand unserer Hauptschüler Rechnung. Neue Schwerpunkte werden hinzukommen, wie z. B. CAD (computerunterstütztes Zeichnen) im Fach Technisches Zeichnen.
  • Viele seit 1985 zusätzlich entstandenen Lehrpläne (z. B. Medienerziehung, Umwelterziehung, usw.) werden in das neue Hauptwerk integriert.
  • Es geht nicht mehr primär um fachwissenschaftliche Systematik und Vollständigkeit, der Akzent liegt mehr auf exemplarischer Auswahl aus dem unmittelbaren Lebens- und Erfahrungsbereich unserer Schüler.
  • Damit wird auch dem Anhäufen von Fachwissen eine Absage erteilt und der Schwerpunkt auf die Vermittlung fachlicher und methodischer Kompetenzen gelegt, die heute ebenfalls von der Wirtschaft verlangt werden, nämlich die sogenannten Schlüsselqualifikationen wie z. B.
    • exaktes Beobachten
    • Notieren und Auswerten von Beobachtungen
    • Beschaffen, Auswerten und Weitergeben von Informationen
    • Arbeiten mit Tabellen, Skizzen, Diagrammen
    • Messen, Schätzen, Vergleichen
    • Zusammenhänge erkennen, Je-desto-Beziehungen aufstellen
    • Schaltpläne zeichnen, Schaltsymbole verwenden können
    • Einsatzbereitschaft, Pflichtbewußtsein und Zuverlässigkeit zeigen
  • Die künftigen Fächerkombinationen unterstützen eindeutig auch die Tendenz, daß primär der Klaßleiter als Bezugsperson diese Fächer unterrichtet. Die Abkehr vom Fachlehrerprinzip unterstreicht, daß nicht die Fächer, sondern die Kinder im Mittelpunkt unseres Unterrichts stehen und die Erziehungsverantwortung des Klaßleiters deutlich unterstrichen wird.

Die Lehrplanziele der Schule, besonders bei völlig neuen Fächern und Fächerkombinationen, können nur dann mit Leben erfüllt und den Schülern vermittelt werden, wenn sich die Lehrkräfte mit großem Engagement mit diesen Themenbereichen auseinandersetzen. Dies erfordert viel Kraft und Durchhaltevermögen, auch von Seiten der Schüler. Deshalb wünsche ich allen Lehrkräften und Schülern sonnige und erholsame Ferientage zum Speichern ausreichender Energiereserven für das kommende Schuljahr.

Ein herzliches Dankeschön möchte ich an dieser Stelle allen sagen, die mit viel Fleiß, Freude, Kreativität und Einsatzbereitschaft zum Gelingen des abgelaufenen Schuljahres beigetragen haben.

W. Greß

   
   
   
   
   
   
   
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