Editorial 1994/1995

Schuljahresende

Wieder ist ein Jahr vorbei
Voll Sorgen, Nöten, Plagerei,
Doch auch voll Spaß, Erfolg und Freud.
Für manchen ist' s Finale heut',
Geht ein Abschnitt nun zu Ende,
Bedeutet dieser Tag die Wende
Zum Beruf, den man erwählt,
Zur neuen Schule, die nun zählt
Und wohl erfüllt die Lernmotive
Als neue Zukunftsperspektive.

 

Ob Lehrer, Schüler, ganz egal,
Für alle ist heut' erste Wahl,
Daß absolviert das letzte Stück
Und nun beginnt das Ferienglück.

 

Sind auch Probleme noch präsent,
Sie sind nach Tagen nur latent
Mit allem Kummer, allen Sorgen,
Unter Freizeit fest verborgen.
Und liegt noch manches schwer im Magen,
Dies baut sich ab in Ferientagen,
Und ganz allmählich, nebenbei,
Werden Geist und Seele frei
Für Ideen und Impressionen,
Ferienpläne und Aktionen.

 

Bald denkt keiner mehr daran:
An den letzten Stundenplan,
An Aufsicht, Pausen, Lärm und Hast,
An Vertretung, die man haßt,
An LZKs und an die Proben,
An Zeugnis, Übertritt und Noten.
Absolviert sind Konferenzen,
Für Schüler gibts nichts mehr zu schwänzen,
Der Schulcomputer ruht sich aus
Im nun verlass'nen Schiller-Haus.
Auch kein Schulrat schaut mehr zu
Und gönnt den Lehrern ihre Ruh'.
Zu Ende sind die Meisterschaften,
Die Pokale stehn im Kasten.
Das Unkraut wächst im Schülergarten
Zwischen Blumen aller Arten.
Fahrradprüfung, Wandertage,
Zahnputzstube, Prüfungsplage,
Sparkasse und hitzefrei,
Alles das ist jetzt vorbei.

 

Läßt man das Jahr Revue passieren,
Muß man auch kritisch bilanzieren,
Stellt Pro und Kontra auf die Waage
Und sich selbst die Gretchenfrage,
Ob man die Höhe hat erklommen,
Die man sich anfangs vorgenommen.
Das Resümee, analysiert,
Manchen Lehrer doch frustriert,
Und das Pädagogenherz
Fühlt dabei Trauer und auch Schmerz.

 

Der Grund hierfür ist evident:
Der Lehrer ist heut' eingeklemmt
Zwischen Stofffülle und Proben,
Korrekturen und den Noten,
Mit 40 Stunden Arbeitszeit

Wie kein Berufsstand weit und breit,
Hat große Klassen voll Problemen,
Die ihn mehr in Anspruch nehmen,
Als dies früher üblich war.
Es wird schwerer Jahr für Jahr.

 

Ein Symptom in unsrer Zeit
Sind Defizite weit und breit
Im menschlichen Erziehungsfeld
Mit all dem, was dazu noch zählt:
Fremde Menschen akzeptieren,
Nicht ausgrenzen und ignorieren,
Wertempfinden, Mitgefühl,
Ein liebevoller Umgangsstil,
Die Ellenbogen nicht gebrauchen,
Als gutes Vorbild nicht zu rauchen,
Gegen Drogen aufbegehren
Und der Gewalt den Rücken kehren.

 

Pflichtbewußtsein, Ehrlichkeit,
Toleranz, Gelassenheit,
Konflikte lösen, diskutieren,
Dazu auch andre animieren,
Verhandeln in normalem Ton
Ohne Wut und Aggression,
Religion nicht abzulehnen
Und Interessen auszudehnen
Auf Urteilsfindung und Kritik
Und Einsatz in der Politik.

 

Uns dafür voll zu engagieren
Und die Kinder hinzufiihren
Sind wir Lehrer gern bereit,
Doch bitte gebt uns auch die Zeit!

 

Denn eines wird von Jahr zu Jahr
Immer deutlicher und klar:
Wir müßten für das künft' ge Leben
Unsren Kindern noch mehr geben
An Zuwendung und Engagement,
Denn unser schulisches Pendant,
Gesellschaft und das Elternhaus,
Steigen leider oftmals aus
Und überlassen mehr denn je
Das heutige Problemmetier,
Den schwierigen Erziehungspart,
Der viele Helfer nötig hat,
Einseitig dem Lehrerteam,
Und das macht wirklich wenig Sinn.

 

Wir stelln uns den Erziehungsfragen
Engagiert an allen Tagen,
Doch können wir, das muß man sehn,
Nicht für alles grade stehn,
Nicht alle Fehler korrigieren,
Die unsre Umwelt irritieren.
Wir würden gerne mehr erreichen,
Für jeden stelln die richtgen Weichen,
Doch das läßt sich beim besten Willen
Leider niemals ganz erfüllen.

 

Werner Greß


Ein Jahresbericht hat nun einmal die Eigenschaft, die Ereignisse des abgelaufenen Schuljahres zu dokumentieren und zu illustrieren. Der Blick in die Zukunft ist an dieser Stelle eigentlich nicht gefragt. Vielleicht sollte man ihn aber doch nicht ganz außer acht lassen. Zu der folgenden "Schulphilosophie" wurde ich durch Mutter Teresas Gedanken über das Leben animiert. Die ersten drei Anregungen wurden in abgeänderter Form für die Schule übernommen und durch weitere Impulse ergänzt.

Die Schule

stellt eine Chance dar, nutze
sie bedeutet Pflicht, erfülle sie
ist eine Herausforderung, stelle dich ihr gibt Hilfen, nimm sie an
zeigt Verständnis, öffne dich
vermittelt Wissensgebiete, erweitere sie
fördert Fähigkeiten, festige sie
schafft Konflikte, toleriere sie
fordert Teamgeist, beweise ihn
verlangt Einsatz, bringe ihn
baut auf Ehrgeiz, zeige ihn
ist Wegweiser, folge ihm
bringt Freundschaften, behalte sie
gibt Denkanstöße, setze sie fort
zeigt Grenzen auf, akzeptiere sie
braucht Rücksichtnahme, gewähre sie
ist Lebenshilfe, baue darauf
gewährt Zuwendung, gib sie zurück

Allen unseren Schülerinnen und Schülern, den Eltern, Lehrkräften sowie den Mitarbeitern in der Schulverwaltung und Hausbetreuung wünsche ich erholsame, erlebnisreiche Sommerferien.

Für Engagement, Ideen, Hilfen und konstruktive Kritik möchte ich als Schulleiter allen ein herzliches Danke sagen.

Werner Greß
Rektor

   
   
   
   
   
   
   
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