Editorial1992/1993

Einige Wochen lang hing dieses Bild als Plakat im Großformat an der Anschlagtafel im Erdgeschoß der Schiller-Schule. Vielleicht wurde es neben den vielen anderen Informationen kaum beachtet oder nur oberfiachlicn registriert, im Vorbeigehen wahrgenommen. Und dabei signalisiert es in Wort und Bild ein zentrales Thema unserer Zeit: Gemeinsam gegen Gewalt.

Dieses vom Stuttgarter Schulbuchverlag Ernst Klett gedruckte Bild soll sicherlich primär die Gewalt an Schulen thematisieren, doch dürfen wir uns nicht auf diesen schmalen Ausschnitt zurückziehen, wenn tagtäglich in den Medien ausführlich über Greueltaten auf der ganzen Welt berichtet wird.

Im Mittelpunkt des Plakats steht ein Boot mit drei Männern, drei Gestalten, die kräftig auf ein unbekanntes Ziel zusteuern. Sie rundem exakt in die Richtung, aus der die Gewalt in Form wuchtiger Steinbrocken kommt. Die Wurfgeschosse sind schwer, kantig und fliegen in kurzen Abständen. Auch hier wird man wird als Betrachter mehr an kriegerische Auseinandersetzungen als an schulische Konflikte erinnert. Vielleicht will der Künstler aber damit nur zum Ausdruck bringen, daß an unseren Schulen Gewalt immer häufiger auftritt, die Auseinandersetzungen an Härte zunehmen und das Verletzen-Wollen des anderen gebilligt wird.

gemeinsam gegen Gewalt

Drei in einem Boot steuern in Richtung Konfliktherd. Dies verdeutlicht uns, daß ein einzelner nicht in der Lage ist, das Gewaltproblem an Schulen zu lösen. Dies erreicht nur ein Team, das im. Gleichklang und mit
das unbedingt nötige Zusammenwirken von Lehrern, Eltern und Schülern, globaler betrachtet sicherlich auch das von Schule, Elternhaus und Gesellschaft.

Es ist Eile geboten, wie der Wellenschlag neben dem Boot verdeutlicht. Die Anstrengungen im Kampf gegen Gewalt dulden keinen Aufschub. Wir können und dürfen dieser Problematik nicht ausweichen, dürfen nicht den Kopf in den Sand stecken oder gar kapitulieren. Gemeinsam, und damit ist die vorhin angesprochene Trias gemeint, müssen wir nach Auswegen suchen. Die Familien sollten wieder verstärkt der Intim- und Rückzugsbereich sein, wo Probleme und Schwierigkeiten abgefangen werden können. Die Lehrkräfte müssen sich noch mehr darauf einstellen, Kindern zu helfen, die von zu Hause konfliktbeladen zur Schule kommen und es von daher schon schwer genug haben. Unterricht und Pausen dürfen nicht zum Aufbau von Aggressionen führen. Verstärkte Integrationsleistungen und pädagogische Zuwendung werden nötig sein, um Hilfe zur Lebensgestaltung, Sinnbildung und Wertorientierung zu geben. Und auch die Gesellschaft darf nicht zunehmend das Gewaltproblem einzig und allein auf die Erziehungsinstitution Schule abwälzen, sondern muß selbst initiativ werden, denn die Schule ist nun mal nicht Wegbereiter der Gesellschaft, sondern ihr Spiegelbild.

Der Künstler Wählt auf seinem Bild eine überdimensionale Kerzenflamme als Symbol für die Lösung von Gewaltkonflikten. Sie zeigt entgegen allen physikalischen Gesetzmäßigkeiten in die Richtung, wo Hilfe benötigt wird. Der riesige Lichtschein signalisiert Hoffnung, Zuversicht und Vertrauen, er muß aber noch dorthin gebracht werden, wo liebloses Miteinander-Umgehen, Streitereien und Rücksichtslosigkeit vorherrschen, wo eine Brutalisierung des Verhaltens der Schüler zu beobachten ist, sei es auf den Schulhöfen, in den Klassen, im Schulbus oder auf dem Weg nach Hause. Vielleicht kann durch das Licht eine Basis geschaffen werden, die von Höflichkeit, Rücksicht und Achtung, aber auch von Selbstbeherrschung bestimmt ist. Wir dürfen dieses Ziel nicht aus den Augen verlieren, denn nur so können wir die Welt "auf das Menschliche zurückfuhren, ihr ein menschliches Siegel aufdrucken" (A. Camus).

Wir haben auch in diesem Schuljahr wieder versucht, über unsere hauseigenen Probleme hinaus, Kinder, Eltern, Lehrer und Finnen dafür zu sensibilisieren, daß nur durch tätige Mithilfe, z. B. in Form von Spenden, wir dazu beitragen können, der Welt dieses menschliche Siegel aufzudrucken. Über unser umfangreiches Hilfsprogramm für Flüchtlinge in Kroatien, das in diesem Zusammenhang sicher an erster Stelle genannt werden muß, können Sie an anderer Stelle in diesem Jahresbericht lesen.

Als Schulleiter darf ich an dieser Stelle allen Lehrkräften, Eltern und Schülern für ihr Engagement für die schulische Bildungs- und Erziehungsarbeit ganz herzlich danken. Ein besonderes Dankeschön gilt zusätzlich all jenen, die sich - um bei unserem Bild zu bleiben - im Boot ans Ruder gesetzt und mit vielen freiwillig geleisteten Zusatzstunden soziale Projekte zur Bewältigung von Konflikten initiiert haben.

Ich wünsche allen unseren Schülerinnen und Schülern, den Eltern, Lehrkräften sowie den Mitarbeitern in der Schulverwaltung und Hausbetreuung erholsame, erlebnisreiche Sommerferien. Wir sollten auch in dieser Zeit das Ziel unseres Themaplakats nicht aus den Augen verlieren, anderen Menschen das Licht zu bringen.

Werner Greß, Rektor

   
   
   
   
   
   
© 2012 Schillerschule Augsburg-Lechhausen Alle Rechte vorbehalten.