Editorial1991/1992

Beim Neubau der Schiller-Schule im Jahre 1966 schuf der Augsburger Bildhauer Theo Bechteler als künstlerisches Attribut im Pausehof einen Brunnen, auf dem eine modern gestaltete Lechflößergruppe im Mittelpunkt steht. Die beiden Bronzefiguren erinnern an die Lechflößer die in früherer Zeit in der Nähe der jetzigen Schule ihre schwimmenden Baumstämme festgezurrt haben. Ich weiß nicht, mit welcher Intention der Künstler für unsere Schule gerade dieses Thema ausgewählt hat, beim Rückblick auf das abgelaufene Schuljahr ergeben sich für mich jedoch einige gedankliche Parallelen zwischen diesem Brunnenensemble und dem Schulalltag.

 Floesser

Die Bronzekomposition in unserem Pausehof ist eine historische Momentaufnahme, eine Rückblende in die Geschichte unserer Heimat. Vielleicht soll sie uns erinnern und auffordern, daß wir uns neben der geschichtlichen Aufbereitung weltpolitischer Ereignisse wieder intensiver mit regional und lokal bedeutenden historischen Themen auseinandersetzen, eine sicherlich sehr reizvolle Aufgabe, wie manche Lehrer und Schüler aus eigener Erfahrung bestätigen können.

Auseinandersetzung mit der Vergangenheit bedeutete für uns im Schuljahr 1991/92 insbesondere, auf die letzten zweieinhalb Jahrzehnte Schulgeschichte zurückzublicken, da im November 1991 das 25jährige Bestehen der neuen Schiller-Schule gefeiert wurde. Parallel zu zwei Abendveranstaltungen konnten wir in einer unifangreichen Ausstellung mit Bildern, Schülerarbeiten, Statistiken usw. unseren Gästen die Ergebnisse unserer schulhistorischen Arbeit präsentieren. Sie finden in diesem Heft nochmals eine kurze Zusammenfassung über wesentliche Akzente dieser 25-Jahr-Feier.

Wie das Lechfloß, so werden auch manche schulischen Lehr- und Lernmittel vom Fortschritt der Technisierung verdrängt. Zu Beginn des Schuljahres stand auf dem Stundenplan noch "Maschinenschreiben". Einige Wochen später wurden die alten Schreibmaschinen ausgemustert und durch 12 neue Computer ersetzt. Jetzt heißt dies Fach "Textverarbeitung" und gewährleistet eine zeitgerechte Ausbildung und eine optimale Berufsvorbereitung unserer Hauptschüler. Die bereits seit vier Jahren laufenden Informatikkurse konnten durch die Verdopplung des Computer-Geräteparks von bisher sechs auf jetzt 12 Geräte ebenfalls einer größeren Zahl interessierter Schüler angeboten werden.

Ein Lechfloß war eine gekonnte, sicherlich nicht immer eine perfekte Konstruktion. Ähnliches könnte man auch von Teilen unseres Schulhauses sagen. Dank großzügiger finanzieller Unterstützung durch die Stadt Augsburg konnten die Schadstellen auf dem Flachdach ausgebessert und Lampen auf dem Parkplatz erneuert werden. Die Restaurierung des Schiller-Denkmals sowie die Erneuerung des Hartplatzes wurden als nächste Baumaßnahmen zugesagt. Vielleicht bleibt noch etwas Geld fur die Neuinstallation unserer Rundsprechanlage übrig, denn wir können uns nicht immer wie die beiden Flößer durch Zuruf verständigen.

Beim flüchtigen Betrachten des Bildes entsteht der Eindruck, als würden die beiden recht lässig am Ruder stehen. Um zum Ziel zu kommen, war jedoch eine enorme Anstrengung und viel Geschick erforderlich. Nicht anders verhält es sich in einer Schule, auch hier müssen Lehrer und Schüler kräftig zupacken. um ohne größere Schrammen ans Ziel zu kommen und um ein Abdriften in allzu stille Gewässer zu vermeiden. Mein herzlicher Dank gilt an dieser Stelle Herrn Konrektor Breunig, allen Lehrkräften. Pädagogischen Assistenten, Frau Unger, dem Elternbeirat. dem Hausmeisterehepaar und selbstverständlich auch allen Schülerinnen und Schülern, die unser "Schulfloß" zusammengehalten, gesteuert und wohlbehalten ans Jahresziel manövriert haben.

Leider gibt es aber immer wieder Schüler, die ihre Kraft nicht zielorientiert einsetzen. Sie lassen sich lieber von der Zeit-Strömung treiben, bestimmen nicht mehr selbst die Richtung ihres Wollens und Tuns und stören sich auch kaum daran, wenn sie manövrierunfähig festsitzen. Das ist bequem und spart Kraft, die dann oftmals in aggressiven Auseinandersetzungen mit Mitschülern eingesetzt wird. Gewalt als Richtschnur bei der Lösung von Konflikten tritt leider immer häufiger auf Diesen Tendenzen entgegenzusteuern wird mit zu den zentralen pädagogischen Aufgaben der Zukunft gehören. Schule, Elternhaus. Politik und Gesellschaft müssen erkennen, daß wir nur mit viel Engagement den jungen Menschen über alle Klippen und Strudel hinweghelfen können.

Eine Floßfahrt in unserer Zeit bedeutet Vergnügen, Spaß und Erholung. All das wünsche ich den Schülerinnen und Schülern, den Eltern. Lehrkräften sowie den Mitarbeitern in der Schulverwaltung und Hausbetreuung für die Sommerferien.

W. Greß
Rektor

   
   
   
   
   
   
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