Editorial 1990/1991

Liebe Eltern, liebe Schülerinnen und Schüler,

im vergangenen Schuljahr rückte ein Thema in den Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion, das bisher doch mehr als Nebensache behandelt worden war: Gewalt an Schulen. Viele Zeitungsartikel, Leserzuschriften. Diskussionen und Reportagen befaßten sich mit diesem Phänomen, man versuchte die Ursachen zu ergründen und sparte auch nicht mit Schuldzuweisungen und wohlgemeinten Ratschlägen. Sicherlich gibt es an allen Schulen ab und zu Sticheleien und Raufereien unter den Schülern, besonders unter den Buben. Dies ist nicht verwunderlich, denn wo viele Kinder teilweise auf engem Raum miteinander den Vormittag verbringen müssen, da komm: es fast zwangsläufig zu .Animositäten und Aggressionen. Dies ist aber keine Erscheinung unserer Zeit, sondern war wohl immer so und wird auch in Zukunft so bleiben. ....

Natürlich ist uns klar, daß wir mit dieser Feststellung nicht zur Tagesordnung übergehen können, denn Konflikte dürfen nun einmal nicht mit Gewalt ausgetragen und jede Sachbeschädigung muß vermieden werden. Um dies zu erreichen, müssen alle zusammenhelfen: Eltern, Lehrer, Schüler Gesellschaft und Staat.

Oft dominieren heute noch autoritäre Strukturen, die Kinder sind sich vielfach selbst überfassen und nicht zuletzt deshalb: einem Übermaß an negativen Medieneinflüssen ausgesetzt, in unserer auf Leistung und Gewinn hin orientierten Gesellschaft schieben sich kommerzielle Aspekte immer mehr in den Vordergrund, so daß es nicht verwunderlich ist, wenn wachsende Gewalt- und Orientierungslosigkeit bei unseren Jugendlichen um sich greift.

Wir alle sollten versuchen, unseren Kindern mehr Geborgenheit, Zuwendung, Halt und Hilfe zu geben, Kreativität und Erlebnisfähigkeit zu fördern und ausgleichende und versöhnliche Kommunikationsformen zu praktizieren, um bereits bestehende Defizite auszugleichen oder diese gar nicht erst entstehen zu fassen.

An dieser Stelle muß jedoch auch festgehalten werden, daß sich in der Schiller-Schule die Zahl der Schüler, die versuchten, sich mit Gewalt gegenüber anderen durchzusetzen und eine Vormachtstellung aufzubauen, bisher in erfreulichen Grenzen gehalten hat. Dies ist nicht selbstverständlich, sondern hat seine Ursache im permanenten Bemühen der Lehrer, Eltern und der Mitschüler bei Problemen. für eine Aussprache, Klärung und Verständigung zu sorgen. Dafür sage allen ein herzliches Danke, auch unseren Gästen von der Pankratius-Schule. Vielleicht gelingt es uns im kommenden Schuljahr, noch stärker als bisher Konflikten und Konfrontationen durch Kooperation und Kommunikation vorzubeugen.

W. Greß, Rektor

   
   
   
   
   
   
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